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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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soluten und relativen so wenig zusammen, dals sowohl innerhalb dersubjektiven wie der objektiven Wertsetzungen der letztere Gegensatz sichentfalten kann. Ich habe hier die Begriffe des Wertes und des Zweckesziemlich ungeschieden gebraucht: tatsächlich sind beide in diesem Zu-sammenhänge nur verschiedene Seiten einer und derselben Erscheinung:die Sachvorstellung, die nach ihrer theoretisch-gefühlsmäfsigen Bedeutungein Wert ist, ist nach ihrer praktisch-willensmäfsigen ein Zweck.

Die seelischen Energien nun, die die eine und die andere Art derWerte und Zwecke setzen, sind sehr verschiedener Natur. Die Kreierungeines Endzwecks ist unter allen Umständen nur durch eine spontaneWillenstat möglich, während einem Mittel sein relativer Wert ebenso un-bedingt nur vermittels theoretischer Erkenntnis zuerkannt werden kann.Die Setzung des Zieles erfolgt aus dem Charakter, der Stimmung, demInteresse; den Weg aber schreibt uns die Natur der Dinge vor; dieFormel, die über so viele Lebensverhältnisse mächtig ist: dafs das Ersteuns freisteht und wir beim Zweiten Knechte sind, gilt deshalb nirgendsausgedehnter als auf dem teleologischen Gebiet. Allein diese Entgegen-gesetztheit, in der sich das sehr mannigfaltige Verhältnis unserer innerenKräfte zum objektiven Sein offenbart, verhindert keineswegs, dafs einerund derselbe Inhalt aus der einen Kategorie in die andere übertrete.Gerade die Spontaneität der Endzwecksetzung, zusammen mit der Tat-sache, dafs die Mittel psychologisch an dem Werte ihres Zieles teilhaben,ermöglicht die Erscheinung, dafs das Mittel für unser Bewufstsein völligden Charakter eines definitiven, für sich befriedigenden Wertes annehmenkann. Obgleich dies nur durch die Unabhängigkeit der letzten Willens-instanz in uns von aller verstandesmäfsigen logischen Begründung mög-lich ist, so kann die Tatsache selbst, so sehr sie der Zweckmäfsigkeitzuwiderzulaufen scheint, derselben dennoch dienen. Es ist nämlich keines-wegs ausgemacht, kann vielmehr nur bei ganz flüchtigem Hinsehengelten, dafs wir unsere Zwecke am besten erreichen, w r enn sie uns amklarsten als solche bewufst sind. So schwierig und unvollkommen näm-lich der Begriff des »unbewufsten Zweckes« auch sei die damit aus-gedrückte Tatsache: dafs unser Handeln in der genauesten Anpassungan gewisse Endziele verläuft und ohne irgendwelche Wirksamkeit der-selben völlig unverständlich ist, während in unserem Bewufstsein vonihrer Wirksamkeit nichts zu finden ist diese Tatsache wiederholt sichso unendlich oft und so unsere ganze Daseinsart bestimmend, dafs wireine besondere Bezeichnung für sie garnicht entbehren können. Wirmüfsten sie nur mit dem Ausdruck des unbewufsten Zweckes nicht er-klärt, sondern nur benannt haben wollen. Das Problem w r ird durch-