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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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quantitative Exaggerierung ihres Inhaltes abzuhelfen; wodurch freilicheine augenblickliche Ablenkung von ihrer sachlichen Bedeutung, nachkurzem aber das alte Verhältnis, jetzt erschwert durch das gestiegeneMafs seiner Elemente, eintritt. Wesentlicher aber ist, dafs die moderneWertung des »Anregenden« als solchen an Eindrücken, Beziehungen,Belehrungen ohne dafs man zu betonen für nötig hielte, wozu esuns denn anrege auch nur jenes charakteristische Befangensein inden Mitteln verrät: man begnügt sich mit diesem Vorstadium der eigent-lichen Wertproduktion. Da nun die Sucht nach blofsen Anregungen alssolchen die Folge der überhandnehmenden Blasiertheit ist, der die natür-liche Erregbarkeit mehr und mehr schwindet, und da diese ihrerseitsaus der Geldwirtschaft, mit ihrer Entfärbung aller spezifischen Wertedurch einen blofsen Mittelwert, entspringt so haben wir hier einender interessanten Fälle, in denen die Krankheit dem Heilmittel ihreeigene Form mitgeteilt hat. Die Geldkultur bedeutet ein solches Be-fangensein des Lebens in seinen Mitteln, dafs auch die Erlösung ausseinen Müdigkeiten wie selbstverständlich in einem blofsen, seine End-bedeutung verschweigenden Mittel: in der Tatsache des »Anregenden«schlechthin gesucht wird.