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unter allen seinen eudämonistischen Herabsetzungen durch anderweitigeErfolge, doch prinzipiell immer ermöglicht, ruht nicht allein in den sub-jektiven Zuständen des einen und des anderen Kontrahenten. Es hängtnämlich ersichtlich auch die objektiv-wirtschaftliche Fruchtbarkeit, dasintensive und extensive Wachstum des Güterkreises selbst für die Zu-kunft davon ab, in welcher Weise jenes gegebene Güterquantum in einerGegenwart verteilt ist. Je nach den Händen, in die seine Teilquantitätengelangen, wird es sich zu äufserst verschiedenen wirtschaftlichen Ergeb-nissen weiterentfalten. Der blofse Übergang von Gütern aus einer Handin die andere kann das aus ihnen entwickelte Güterquantum der Folge-zeit erheblich nach oben wie nach unten modifizieren. Man kann direktsagen: das gleiche Güterquantum in verschiedenen Händen bedeutet einverschiedenes Güterquantum, wie derselbe Same in verschiedenen Böden.Diese Folge der Verteilungsverschiedenheiten scheint ihre gröfsteAusdehnung am Gelde zu gewinnen. So wechselnde ökonomischeBedeutungen ein Landgut oder eine Fabrik je nach ihren wechselndenBesitzern haben mögen, so tragen diese Ertragsschwankungen, jenseitsganz geringfügiger Mafse, den Charakter der Zufälligkeit und Innorma-lität. Dafs dagegen die gleiche Summe in der Hand des Börsenspeku-lanten oder des Rentiers, des Staates oder des Grofsindustriellen aufser-ordentlich differente Ertragsbedeutungen habe — das ist hier das Nor-male, entsprechend dem unvergleichlichen Entfaltungsspielraum, dengerade der Geldbesitz den objektiven und 'subjektiven, den guten undschlechten Faktoren seiner Verwertung bietet. Am wenigsten kann mandem Gesamt-Geldbesitz einer Gruppe gegenüber sagen, dafs die Ungleich-heit und der Wechsel seiner Verteilung nur ein Formwechsel, bei gleich-bleibender Bedeutung des Ganzen sei; eben 'dieser Formwechsel ent-wickelt an diesem Material die wesentlichsten Unterschiedsfolgen für dieTotalität von Wirtschaft und Reichtum. Auch handelt es sich hier nichtnur um quantitative Differenzen, sondern — für unser Problem höchstwesentlich und andrerseits auch wieder in die Quantitätsfrage zurück-führend — um qualitative. Das gleiche Sachgut in verschiedenen Händenbedeutet wirtschaftlich im allgemeinen nur eine quantitative Verschieden-heit des Geldertrages; dasselbe Geldgut aber in verschiedenen Händenbedeutet zunächst eine qualitative Verschiedenheit seiner sachlichen Be-wirkungen. Die zweifellos hier eingreifende soziale Zweckmäfsigkeitmacht es erklärlich, weshalb moderner Reichtum so viel kürzer in einerund derselben Familie zu verbleiben pflegt, als früherer, der nicht geld-wirtschaftlicher Natur war. Das Geld sucht sozusagen die frucht-barere Hand, und das ist um so auffallender und mufs um so tieferen