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Begleiterscheinung haben können-, dennoch wird die Steigerung desGefühls zu seiner Höhe und sein Verbleiben auf ihr leicht dadurch ge-hindert, dafs das Bewufstsein sich mit einseitiger Zuspitzung auf irgendeine einzelne Eigenschaft des Anderen richtet; vielmehr, nur wenn dasallgemeine Bild desselben, wie unter Ausgleich alles Einzelnen und Ein-seitigen, was man von ihm weifs, das Bewufstsein über ihn ausmacht,ist es eine Grundlage, auf der das liebende Gefühl seine Kraft undInnigkeit am ungestörtesten und gleichsam nur auf sich selber hörendentfalten kann. So scheint allenthalben die unvermeidliche Verschmelzungder psychischen Energien die freie, nur der eigenen Norm folgende Ent-wicklung der einzelnen nur dann nicht zu behindern, wenn sie nicht miteiner spezialisierten Seite oder Ausbildungsstadium der anderen, sondernmit dem ganz Allgemeinen derselben verbunden ist; nur so scheint dieDistanz zwischen beiden herstellbar, die je der einen von ihnen einedifferenzierte Entfaltung ermöglicht.
Diesem Typus gehört wohl auch der Fall an, der uns hier beschäftigt.Die rein geistigen Reihen der psychischen Prozesse sind von denen, diedie ökonomischen Interessen tragen, nicht völlig zu trennen; der funda-mentale Charakter der letzteren verhindert das zwar nicht im einzelnenund in Ausnahmefällen, wohl aber in den durchgängigen Zusammen-hängen des individuellen und sozialen Lebens. Wenn dies nun dieabsolute Ungestörtheit und Freiheit der blofs geistigen Arbeit einschränkt,so wird es das doch um so weniger tun, je weniger die Bindung einspeziell bestimmtes ökonomisches Objekt betrifft. Wenn es gelingt, dieökonomische Interessenreihe in dieser Hinsicht nur auf das ganz Allgemeineihrer zu stellen, so gewinnt die geistige Reihe eine Distanz von ihr, diesie, bei der Zuspitzung jener auf ein spezifisches und deshalb spezifischeAufmerksamkeit erfordendes Objekt, nicht einhalten könnte. Die nachdieser Richtung geeignetste Besitzart war lange Zeit hindurch, wie erwähnt,der Grundbesitz. Die Art seines Betriebes, die unmittelbare Verwendbar-keit seiner Produkte einerseits, die gleichmäfsige Absetzbarkeit derselbenandrerseits gestattet der intellektuellen Energie eine relative Differenziert-heit und Ungestörtheit; aber erst die Geldwirtschaft vermochte dies sozu steigern, dafs jemand nun blofs geistiger Arbeiter und sozusagenweiter nichts sein konnte. Das Geld ist so sehr nur wirtschaftlicherWert überhaupt, es steht von jeder ökonomischen Einzelheit soweit ab,dafs es, innerhalb der psychologischen Zusammenhänge, der rein geistigenBetätigung die meiste Freiheit läfst; die Ablenkung dieser wird so einMinimum, die Differenzierung zwischen den inneren Reihen, die manauch hier als Sein und Haben bezeichnen kann, wird ein Maximum, so