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um sich an der Wochenperiode zu befriedigen. Jetzt aber bedarf dieses —was vielleicht Folge, vielleicht Ausdruck gesunkener Nervenkraft ist —häufigerer Reizung, die Alternierung mufs rascher erfolgen, um zu jenemsubjektiv erwünschten Erfolge zu kommen.
Die Entwicklung des Geldwesens folgt dem gleichen Schema. Eszeigt gewisse rhythmische Erscheinungen als eine Art Mittelstufe: ausder chaotischen Zufälligkeit, in der sein erstes Auftreten sich bewegthaben mufs, gelangt es zu jenen, die doch immerhin ein Prinzip undeine sinnvolle Gestaltung aufzeigen, bis es auf weiterer Stufe eine Kon-tinuität des Sich-Darbietens gewinnt, mit der es sich allen sachlichenund persönlichen Notwendigkeiten, frei von dem Zwange eines rhyth-mischen und in höherem Sinn doch zufälligen Schemas, anschmiegt. Esgenügt für unseren Zweck, den Übergang von der zweiten zur drittenStufe an einigen Beispielen zu zeigen. Noch im 16. Jahrhundert wares selbst an einem Platz so grofsartigen Geldverkehrs wie Antwerpen fast unmöglich, aufserhalb der regelmäfsigen Wechselmessen eine erheb-lichere Geldsumme aufzutreiben; die Verbreitung dieser Möglichkeit aufjeden beliebigen Augenblick, in dem der Einzelne Geld bedarf, bezeichnetden Übergang zu der vollen Entwicklung der Geldwirtschaft. Immerhinist es für die Fluktuation zwischen rhythmischer und unrhythmischerGestaltung des Geldwesens und für das Empfinden derselben bezeichnend,dafs von den an die mittelalterliche Schwierigkeit und Irrationalität desGeldverkehrs Gewöhnten der Antwerpener Verkehr eine »unaufhörlicheMesse« genannt wurde. Ferner: solange der einzelne Geschäftsmannalle Zahlungen unmittelbar aus seiner Kasse leistet, bezw. in dieselbeeinnimmt, mufs er zu den Zeiten, wo regelmäfsig gröfsere Summenfällig werden, einen erheblichen Barbestand beschaffen, und andrerseitsin den Zeiten überwiegender Eingänge dieselben sogleich zweckmäfsigunterzubringen wissen. Die Konzentrierung des Geldverkehrs in dengrofsen Banken enthebt ihn dieses periodischen Zwanges zur A nh äufungund Drainierung; denn nun werden, indem er und seine Geschäftsfreundemit derselben Girobank arbeiten, Aktiva und Passiva einfach durchbuchmäfsige Übertragung saldiert, so dafs der Kaufmann nur noch einesrelativ geringfügigen und immer gleichbleibenden Kassenbestandes fürdie täglichen Ausgaben bedarf, während die Bank selbst, weil die Ein-und Ausgänge von den verschiedenen Seiten sich im ganzen paralysieren,einen relativ viel kleineren Barbestand, als sonst der individuelle Kauf-mann, zu halten braucht. Endlich ein letztes Beispiel. Der mehr oderweniger periodische Wechsel von Not und Plethora in Zeiten unent-wickelter Geldkultur bewirkt einen entsprechend periodischen Wechsel