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die unaufhörlich Wirkungen aus Ursachen hervortreiben und, was soebenWirkung war, im gleichen Augenblick schon als Ursache wirken lassen —gerade deshalb kann man nun, andrerseits, die Wirklichkeit, die konkrete,historische, erfahrbare Erscheinung der Welt in jenem absoluten Flusseerblicken, auf den Heraklits symbolische Äufserungen hindeuten. Bringtman das Weltbild auf diesen Gegensatz, so ist alles überhaupt Dauernde,über den Moment Hinaus weisende aus der Wirklichkeit herausgezogenund in jenem ideellen Reich der blofsen Gesetze gesammelt; in der Wirk-lichkeit selbst dauern die Dinge überhaupt keine Zeit, durch die Rast-losigkeit, mit der sie sich in jedem Moment der Anwendung eines Gesetzesdarbieten, wird jede Form schon im Augenblick ihres Entstehens wiederaufgelöst, sie lebt sozusagen nur in ihrem Zerstörtwerden, jede Verfestigungihrer zu dauernden — wenn auch noch so kurz dauernden — Dingenist eine unvollkommene Auffassung, die den Bewegungen der Wirklichkeitnicht in deren eigenem Tempo zu folgen vermag. So ist es das schlecht-hin Dauernde und das schlechthin Nicht-Dauernde, in die und deren Ein-heit das Ganze des Seins ohne Rest aufgeht.
Für den absoluten Bewegungscharakter der Welt nun gibt essicher kein deutlicheres Symbol als das Geld. Die Bedeutung desGeldes liegt darin, dafs es fortgegeben wird; sobald es ruht, ist esnicht mehr Geld seinem spezifischen Wert und Bedeutung nach. DieWirkung, die es unter Umständen im ruhenden Zustand ausübt, bestehtin einer Antizipation seiner Weiterbewegung. Es ist nichts als der Trägereiner Bewegung, in dem eben alles, was nicht Bewegung ist, völlig aus-gelöscht ist, es ist sozusagen actus purus; es lebt in kontinuierlicherSelbstentäufserung aus jedem gegebenen Punkt heraus und bildet so denGegenpol und die direkte Verneinung jedes Fürsichseins.
Aber vielleicht bietet es jener entgegengesetzten Art, die Wirklich-keit zu formulieren, sich nicht weniger als Symbol dar. Das einzelneGeldquantum freilich ist seinem Wesen nach in unablässiger Bewegung;aber gerade nur, weil der von ihm dargestellte Wert sich zu den ein-zelnen Wertgegenständen verhält, wie das allgemeine Gesetz zu denkonkreten Gestaltungen, in denen es sich verwirklicht. Wenn das Ge-setz, selbst jenseits aller Bewegungen stehend, doch deren Form undGrund darstellt, so ist der abstrakte Vermögens wert, der nicht in Einzel-werte auseinandergegangen ist und als dessen Träger das Geld sub-sistiert, gleichsam die Seele und Bestimmung der wirtschaftlichen Be-wegungen. Während es als greifbare Einzelheit das flüchtigste Dingder äufserlich - praktischen Welt ist, ist es seinem Inhalte nach das be-ständigste, es steht als der Indifferenz- und Ausgleichungspunkt zwischen