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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist

rechnung aller Mittel, wovon kein damaliger außeritalienischerFürst eine Idee hatte', verbunden mit einer innerhalb derStaatsgrenzen fast absoluten Machtvollkommenheit, brachte hierganz besondere Menschen und Lebensformen hervor." Ich denkeauch, man wird (wenn auch vielleicht im übertragenen Sinn)diesen Staat als Unternehmung der Fürsten auffassen müssen,um ihn recht zu verstehen. Wie ein wagemutiger Anternehmermuß der Fürst seine Herrschaft antreten, jeden Augenblick derGefahr ausgesetzt, zugrunde zu gehen, immer von neuem auf dierichtige Mittelwahl bedacht: ein Organisator in ganz großemStil, dem dann auch alle Erfolge zufallen, weil er sie alleinseiner Kühnheit, seiner Klugheit, seiner Entschlossenheit, seinerZähigkeit verdankt. Von der Tyrannis des 15. Jahrhundertsinsbesondere meint Burckhardt:

Im ganzen genommen mußten Große und Kleine sich mehranstrengen, besonnener und berechneter verfahren, und sich dergar zu massenhaften Gräuel enthalten; sie durften überhauptnur so viel Böses verüben, als nachweisbar zu ihrem Zweckediente, soviel verzieh ihnen auch die Meinung der Anbeteiligten.Von dem Kapital von Pietät, welches den legitimen abendlichenFürstenhäusern zustatten kam, ist hier keine Spur, höchstenseine Art von hauptstädtischer Popularität; was den Fürsten Italiens wesentlich weiter helfen muß, ist immer Talent und kühleBerechnung"

Diese Ideen sind ja dann auch in den größeren Staaten,solange das absolute Fürstentum geherrscht hat, heimisch ge-worden.

4. Die Kirche

Wenn ich die Kirche hier nenne, so geschieht es deshalb,weil sie neben dem Staate die größte Organisation von Menschen-hand darstellt; weil in ihr insbesondere auch der starke rationale