122
Erster Abschnitt: Der Unternehmungsgeist
treter seiner Art, so eignet ihm eine dichterische Fähigkeit, vorden Augen der anderen Bilder von verführerischem Reiz undbunter Pracht erstehen zu machen, die von den Wundern, dieer vollbringen will, eine Vorstellung geben: welchen Segendas geplante Werk für die Welt bedeutet, welchen Segen fürdie, die es ausführen. Er verspricht goldene Berge und weißseine Versprechungen glaubhaft zu machen. Er regt diePhantasie an, er weckt den Glauben And er weckt mächtigeInstinkte, die er zu seinem Vorteil verwendet: er stachelt vorallem die Spielwut auf und stellt sie in seinen Dienst. KeineSpekulationsunternehmung größeren Stils ohne Börsenspiel.Das Spiel ist die Seele, ist die Flamme, die das ganzeWirken durchglüht. „Hn Kien", ruft Saccard aus: „ohneSpekulation (in diesem engeren Sinne) würde man keine Ge-schäfte machen, meine liebe Freundin. Warum zum Teufelverlangen Sie, daß ich mein Geld herausrücke, daß ich meinVermögen riskiere, wenn Sie mir nicht eine außergewöhnlicheVergütung versprechen, ein plötzliches Glück, das mir denÄimmel öffnet? Mit der legitimen und mittelmäßigen Be-zahlung der Arbeit, mit dem vernünftigen Gleichgewicht dertäglichen Geschäfte ist das Leben eine Wüste von ungeheurerPlattheit, ist es ein Sumpf, in dem alle Kräfte einschlafen undverkümmern; laßt aber plötzlich am Horizonte ein Traumbildaufflammen, versprecht, daß man mit einem Sou hundert ge-winnen wird, gebt all jenen schläfrigen Seelen die Möglichkeitder Jagd nach dem Anmöglichen, zeigt ihnen die Millionen, diein zwei Stunden verdient sind, meinetwegen mit Äals- undBeinbrüchen . . . und das Nennen beginnt, die Energien ver-zehnfachen sich, das Gedränge ist so groß, daß die Leute, indemsie nur für ihr eigenes Wohl sich abmühen, lebendige, großeund schöne Werke vollbringen. .
Stimmung machen, ist die Losung. And daß dazu alle