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Erster Abschnitt: Der Anternehmungsgeist
So sehen wir die Florentiner auf Cypern, wo sie zu den nichtprivilegierten Nationen gehörten, um die den Pisanern zu-gebilligten 2 Prozent Zollermäßigung zu genießen, sich fürPisaner ausgeben; dafür mußten sie sich freilich „auch gefallenlassen, daß die Pisaner ihnen bedeutende Abgaben auflegtenund sie sonst demütigend behandelten". (Später erreicht Pegolotti ,der Faktor (I) der Bardi und Peruzzi, die Gleichstellung mitden Pisanern.) Ein friedsames Kändlervolk, das schließlich, alser preiswert zu haben ist, sich auch noch einen Äafen kauft,nachdem ihm Pisa eben gleichfalls verkauft worden war. Diesesfür alles Florentiner Wesen bezeichnende Geschehnis spielte sichim Jahre 1421 ab.
Damals war der günstige Moment gekommen: „als der DogeTommaso da Campofregosa in Genua (das kurz, ehe Pisa durchVerrat in die Äände der Florentiner kam, sich der beiden ÄäfenPorto Pisano und Livorno mit Gewalt bemächtigt hatte) des
— Geldes dringend benötigt war, um sich seiner Feinde zu er-wehren; die Florentiner boten ihm solches, wenn er ihnen diebeiden Ääfen abträte, und am 27. Juni 1421 kam der Äandelzustande um den Preis von 100000 fl." Übrigens wurde es auchdann noch nichts Rechtes mit der Schiffahrt der Florentiner: umdas Jahr 1500 wird der Handelsverkehr schon wieder im wesent-lichen mit fremden Schiffen und größtenteils zu Lande fort-gesetzt. Wollhändler und Bankiers sind doch eben für dieSchiffahrt verdorben. In allen Schiffahrtsunternehmungen steckt
— und steckte vor allem in damaliger Zeit — ein gutes TeilFreibeutertum; und das war dem Florentiner Wesen fremd.Das unterscheidet ihren Äandel so scharf von dem der be-nachbarten Städte. „Werfen wir einen Rückblick auf die Ge-schichte der florentinisch-ägyptischen Wechselbeziehungen", schließtÄeyd seine Darstellung, „so kann uns die Tatsache nicht ent-gehen, daß Konflikte von der Art, wie sie bei anderen Handels-