Achtes Kapitel: Die bürgerlichen Tugenden
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geringen Vorstoß gegen die Mäßigkeit zu vermeiden, die anderenTugenden ihrem gewöhnlichen Schicksal zu überlassen und nur jedenAbend die Fehltritte des Tages zu verzeichnen. Wenn ich daherauf diese Weise in der ersten Woche meine erste, mit „Mäßigkeit"bezeichnete Linie frei von schwarzen Punkten zu halten vermochte, sonahm ich an, die gewohnheitsmäßige Ausübung dieser Tugend seiso sehr gestärkt und ihr Gcgenpart so sehr geschwächt, daß ich wagenkonnte, mein Augenmerk auf die Mitbcachtung der nächsten aus-zudehnen und für die folgende Woche beide Linien frei vonKreuzen zu halten. Wenn ich auf diese Weise bis zur letzten fort-schritt, konnte ich in dreizehn Wochen einen vollständigen Kurs undin einem Jahre vier Kurse durchmachen. And wie derjenige, welcherdas Ankraut in einem Garten zu beseitigen hat, keinen Versuchmacht, alle schlechten Gewächse auf einmal zu entfernen, was überseine Kraft und die Möglichkeit hinausgehen würde, sondern immernur an einem der Beete auf einmal arbeitet, und erst, nach-dem er damit fertig geworden ist, ein zweites in Angriff nimmt, sohoffte ich das ermunternde Vergnügen zu haben, auf meinen Seitenden Fortschritt, den ich in der Tugend machte, dadurch ermittelnzu können, daß ich nach und nach meine Linien von ihren schwarzenPunkten befreite, bis ich am Ende nach einer Anzahl Kursen soglücklich sein würde, bei einer täglichen Selbstprüfung von dreizehnWochen ein reines Buch zu überblicken.
(Siehe Tabelle nächste Seite.)
Man sieht: der Großvater Leonardos und der Vater deramerikanischen Republik: sie gleichen sich aufs Saar . In denvierhundert Jahren hat sich kaum ein Zug an dem Gesamtbildegeändert. „Bürger" alle beide.
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Äaben nun die Vielen nach den weisen Lehren ihrer Meistergelebt? Hat jeder Geschäftsmann nach dem TugendschemaBenjamin Franklins sein Dasein eingerichtet?
Nach manchen Klagen, die die Verkünder dieser Weisheitausgestoßen haben: — bei Savary, bei Defoe lesen wir