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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Elftes Kapitel: Die Entwicklung in den einzelnen Ländern 187

mächtigsten Schwung gab. Contarini bewundert die Ordnung,mit welcher sie um 1610 jährlich zehn bis vierzehn Schiffe dahinsandten; er gibt das Kapital der Gesellschaft auf 6600000 Guldenan. Diese großartige, weltumfassende Bewegung führte siedann weiter; auch auf unbekannte Länder schifften sie aus. IhreBemühungen, eine nördliche Durchfahrt zu finden, die Reisenihrer Äeemskerke verdunkelten vollends den Seeruhm andererNationen.

Da sah man denn alle Ääfen, Buchten, Meerbusen vonHolland mit Schiffen bevölkert: alle Kanäle des inneren Landesmit Fahrzeugen bedeckt. Man hatte das bezeichnende Wort,ebenso viele seien dort auf dem Wasser wohnhaft wie auf demLande. Man rechnete 200 größere, 3000 mittlere Schiffe, dieihre vornehmste Station bei Amsterdam hatten. Äart an dieStadt stieß der dichte, dunkle Wald ihrer Mastbäume.

Amsterdam nahm unter diesen Amständen ungemein zu.Binnen 30 Iahren ward es zweimal bedeutend erweitert.Man erzählt, daß im Jahre 1601 daselbst 600 neue Käufer er-baut wurden. Für einen Fuß breit Boden, sagt Contarini,gab man einen Scudo. Er rechnet im Jahre 1610 50000 Ein-wohner.

Da blühten die Gewerbe; die Arbeiten waren vortreff-lich. Die Reichen blieben mäßig und sparsam, wie dennmancher, der das feinste Tuch verkaufte, sich selbst in grobeskleidete; die Armen hatten ihr Auskommen; das Müßiggehenwurde bestraft. Da ward es eine gewöhnliche Sache, nachIndien zu schiffen; man lernte mit jedem Winde segeln. JedesÄaus ward eine Schiffahrtsschule; es war keins ohne Seekarte.Äätten sie einem Feinde weichen sollen, da sie die See so ganzbezwungen? Die holländischen Schiffe hatten den Ruhm, sicheher zu verbrennen, als zu ergeben."

Diesem wundervollen Bericht will ich ergänzend nur hinzu-