Sechzehntes Kapitel: Die Veranlagung der Völker 277
Die Arveranlagung ist nun aber natürlich nur der Aus-gangspunkt, von dem aus der biologische Gestaltungsprozeßseinen Anfang nimmt. Man weiß, daß sich in jeder Generationdie Veranlagung eines Volkes ändert, weil in jeder Generationzwei Kräfte ihre Ambildungsarbeit von neuem vollbringen: dieAuslese und die Blutsmischung.
Was sich über deren Wirksamkeit mit Bezug auf unserProblem annähernd Bestimmtes aussagen läßt, ist etwa folgen-des:
Bei den Äändlervölkern vollzieht sich der Prozeß der Aus-lese der lebensfähigsten Varianten, also derjenigen mit starkerMndlerbegabung, am raschesten und gründlichsten.
Die Juden hatten kaum noch etwas auszulesen: sie stellenvon vornherein schon ein fast rein gezüchtetes Kändlervolk dar.
Die Florentiner waren stark durchsetzt mit germanischemBlut, das vor allem im Adel floß: solange dieser den Tonangab, war das Bild, das Florenz bot, das einer durchauskriegerischen Stadt. Wir beobachten nun mit Interesse, wienirgends frühzeitiger und durchschlagender die dem herrschendenTypus feindlichen Elemente aus dem Volkskörper ausgemerztwurden wie in Florenz . Ein großer Teil des Adels verschwandohne äußere Zwangsmittel: wir wissen, daß schon Danteden Llntergang einer großen Anzahl adliger Geschlechter beklagt.Der Nest wurde zwangsweise beseitigt. Schon im Jahre 1292hatten die Popolanen, also die Männer mit dem Äändler-blut, durchgesetzt, daß kein Grande in die Stadtverwaltunggelangen konnte. Die Wirkung auf den Adel war eine zwei-fache: die anpassungsfähigen Elemente verzichten auf ihreSonderstellung und lassen sich in die Liste der Arti eintragen.Die anderen, wir müssen also annehmen: die Varianten, indenen das seigneuriale Empfinden zu stark war, deren Blutallem Äändlertum widerstrebte, wanderten aus. Die weitere