4Z4 Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände
dem Handel in jedem (?) Stadium seiner Entwicklung unentbehr-lich; und gerade deshalb, weil der Handel Treue und Recht-schaffenheit im Verkehr zum besten Vorteil macht, schafft ergesunde und dauerhafte Verbindungen der Menschen".
Daß dies übertrieben ist, wissen wir, die wir uns erinnern,wie langsam sich die kaufmännische Solidität noch während deskapitalistischen Zeitalters eingebürgert hat. Richtig aber an diesemGedanken ist dies: daß im Verkehr selber eine Tendenz zurSolidität liegt, die mit zunehmender Intensität des Verkehrsimmer stärker wird. Der Kaufmann sieht mit der Zeit ein,daß es nicht lohnt, zu schwindeln, weil die daraus erwachsen-den Schäden: Verlust der Kundschaft, Zeitverlust infolge vonBeanstandungen und deren notwendiger Erledigung usw. häufiggrößer sind als die Gewinne, die man durch betrügerische Kniffemehr herausgeholt hat. Wenn sich also, wie wir sahen, eine„Geschäftsmoral" in dem Sinne einer Moral aus Geschäft ent-wickelt, wenn die aufgeklärten Gewürzkrämer des 15. wie des18. Jahrhunderts den Satz aufstellen: »ttonegt^ >8 ine bestpc>Iic>«, so hat zu dieser Entwicklung zweifellos die bessere Er-kenntnis der wirklichen, eigenen Interessen beigetragen, wie sieder ortsferne Handel aus sich heraus erzeugen mußte, eine Er-kenntnis, die dann natürlich um so eher sich in eine Maximedes Handels umsetzte, je dringlicher diese bürgerliche Soliditätvon den anerkannten Lehrern der Moral als sittliche Pflichtverkündet wurde.
Verschieden aber wirkt der Handel, als Tätigkeit geübt, jenachdem er als Seehandel oder als Binnenhandel betriebenwird. Bei jenem waltet lange Zeit noch, wie wir feststellenkonnten, der abenteuerlich-freibeuterische Zug vor; in ihm alsobildet sich der „wagende" Kaufmann aus. Während derBinnenhandel das händlerische und kalkulatorische Moment zustärkerer und ausschließlicher Entwicklung kommen läßt: der