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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Neunundzwanzigstes Kapitel: Rückblick und Ausblick 46Z

Wird aber sein Nasen ewig währen? Wird er sich nichtmüde rennen? Ich glaube, er wird es tun. Ich glaube, daßin der Natur des kapitalistischen Geistes selbst eine Tendenzliegt, die ihn von innen heraus zu zersetzen und zu ertötentrachtet. Wir sind selbst schon an verschiedenen Stellen unseresWeges solchen Zusammenbrüchen des kapitalistischen Geistesbegegnet: im 16. Jahrhundert in Deutschland und Italien , im17. Jahrhundert in Holland und Frankreich , im 19. Jahrhundert(in der Gegenwart) in England . Mögen auch zum Teil beidiesen Kollapsen besondere Amstände mitgewirkt haben: zumguten Teil war es die allem kapitalistischen Geiste immanenteTendenz, die die Wandlungen bewirkt hat, und die wir auchin Zukunft weiter wirkend uns vorstellen müssen. Was denUnternehmungsgeist, ohne den der kapitalistische Geist nicht be-stehen kann, immer gebrochen hat, war das Verflachen in einsattes Nentnertum oder die Annahme seigneurialer Allüren.Der Bourgeois verfettet in dem Maße, wie er reicher wirdund sich gewöhnt, seinen Reichtum in Nentenform zu nützen,gleichzeitig aber auch sich dem Luxus zu ergeben und das Lebeneines Landgentleman zu führen. Sollten diese Mächte, die wirso oft am Werke sahen, in Zukunft nicht wirksam bleiben? Eswäre seltsam.

Aber in unserer Zeit wird dem kapitalistischen Geiste nochvon einer anderen Seite her der Lebensfaden abgebunden: durchdie zunehmende Verbureaukratisierung unserer Unternehmungen.Was der Rentner noch übrig läßt, nimmt der Bureaukrat weg.Denn in einem regelrechten bureaukratischen Niesenbetriebe, indem nicht nur der ökonomische Rationalismus, sondern auch derUnternehmungsgeist mechanisiert ist, bleibt für den kapitalistischen Geist kein Raum mehr.

Wahrscheinlich wird ihm aber auch noch von einer drittenStelle aus zu Leibe gegangen werden: mit fortschreitender