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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zweites Kapitel. Betrieb und Betriebsformen.

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dem sich die Schlosserei von ihr geschieden hat; die Werkzeug -schmiederei ist innerhalb der so specialisierten Sclnniederei wiederumein Specialbetrieb, die Sensensclimiederei innerhalb der Werkzeug-schmiederei u. s. f.

Damit das Princip der Specialisation innerhalb einesBetriebes zur Anwendung gelangen könne, d. h. damit in einemund demselben Betriebe der eine immer dies, der andere immerjenes zu thun imstande sei, mufs nun aber offenbar eine bestimmteBedingung in der betreffenden Betriebsanordnung erfüllt sein, die-jenige nämlich, dals mehrere Arbeiter zu gemeinsamem Wirkenzusammengegliedert seien, d. h. es mufs das zweite Princip derArbeitsorganisation, von dem wir schon Kenntnis haben, zur An-wendung gebracht werden: die Kooperation. Diese bestehtzunächst in nichts anderem als in einer Summierung individuellerArbeitskräfte, die erst später eine bestimmte Gliederung zu einemorganischen Ganzen erfahren. In ihrer primitiven Form nennenwir sie einfache Kooperation, in ihrer Kombination mit derSpecialisation arbeitsteilige Kooperation. So erhalten wirfolgendes Schema für die Anwendung der Organisationsprincipien:

1. Robinson deckt seinen Gesamtbedarf allein; er kann zwar dasarbeitszerlegende, das materialvereinigende Verfahren an-wenden, aber weder sich specialisieren noch kooperieren;

2. Robinson und Freitag verteilen ihre Gesamtarbeit so, dafsjener auf die Jagd geht und Fische fängt, dieser die Haus-arbeit verrichtet: einfache Specialisation;

3. Robinson und Freitag vereinigen ihre Arbeit, um den Baum-stamm, aus dem ihr Boot angefertigt werden soll, zum Strandezu rollen: einfache Kooperation;

4. Robinson und Freitag gehen zusammen auf die Jagd; Freitagtreibt das Wild zu, Robinson schiefst es ab: V ereinigung vonKooperation und Specialisation = arbeitsteilige Kooperation.

Alle weiteren Unterschiede der Betriebsgestaltung sind nunentweder nur quantitativer Art, d. h. eine Folge stärkerer Speciali-sation oder vermehrter Kooperation, oder aber sie werden begründetdurch die verschiedenartige Gestaltung des sachlichen Produktions-faktors: durch die verschiedene Beschaffenheit oder verschiedeneAnordnung der dem Arbeiter zur Verfügung stehenden Produktions-mittel.

Jedenfalls ergiebt sich, wie aus dem oben Gesagten erhellt, einegrofse Mannigfaltigkeit der Betriebsformen auch wiederum nachder Verschiedenheit der Anordnung der Produktionsfaktoren zu