Fünftes Kapitel. Das Wesen d. handwerksmäfs. Organisat. d. Gewerbes. 105
in Flandern 1 ; im 14. Jahrhundert bilden die genannten Metalleein beliebtes Handelsobjekt in England 2 , in Lübeck 3 , in Danzig 4 ,im deutsch -italienischen Handel 5 ; werden sie en gros und en detailgehandelt in Städten wie Anklam, Goslar 6 .
Aber waren denn diese Metalle Erzeugnisse von Hand-werkern? Zweifellos. Wir sind durch eine Reihe neuerer Unter-suchungen 7 über die Anfänge des Bergbaus und der Metallgewin-nung genugsam davon unterrichtet, dafs die früheste Organisationauch dieser Gewerbszweige durchaus eine handwerksmäfsige war.Allerdings in einer specifischen Ntiance: es sind fast immer vonAnfang an, jedenfalls sehr frühzeitig, Handwerkergenossenschaften,die nach einem gemeinsamen Plane die Ausbeute der Gruben undteilweise auch die Verhüttung der Erze besorgten. Da uns derGang unserer Untersuchung noch einmal auf diese eigenartige Formder handwerksmäfsigen Organisation führen wird, so soll ein näheresEingehen bis dahin unterbleiben. Hier mag nur noch erwähntwerden, dafs ganz analog wie der Bergbau die Salzgewinnung ur-sprünglich organisiert war, und dafs das Salz jedenfalls auch einfür den gröfseren Markt von jeher produziertes Handwerkserzeugnisgewesen ist 8 .
Aber nicht nur die Rohstoffe und Halbfabrikate, auch diefertigen Erzeugnisse der Metallindustrie kamen frühzeitigin den Handel. Allen voran Schutz- und Trutzwaffen. Be-reits im 10. Jahrhundert bringen die Venetianer Waffen aus denSchmieden Steiermarks und Kärntens zu den überseeischen Völkern 9 .Schwerter, Lanzen und Panzer finden wir während des 10. Jahr-hunderts als Handelsgegenstände auf den Verkehrsstrafsen der
1 Hans. U.B. Bd. I Nr. 432.
2 Hans. Geschichtsquellen Bd. 6 S. XLV, 334.
3 Wehrmann, 272 ff.
4 Hirsch, a. a. 0.
5 Schulte 1, 692 ff.
6 Kramerordnungen der genannten Städte bei Klöden, 1. Stück § 3.
7 Vgl. vor allem Schmoller, Die geschichtl. Entwicklung der Unter-nehmung IX. in .seinem Jahrbuch 15 (1891) S. 660 ff. Daselbst auch Hinweiseauf die frühere Litteratur. Etwa gleichzeitig mit der Arbeit Sehmollers undsie vielfach ergänzend erschienen die Darstellungen von Inama-St er n egg,Deutsche Wirtschaftsgeschichte Bd. II (1891) und Gothein, Wirtschafts-geschichte des Schwarzwaldes 1 (1892) 583 ff. Die alten Bergstädte bestandenim wesentlichen aus (Handwerker-) Bergleuten. „Die Begriffe ,Bürger 1 (bur-genses, cives) und ,Bergleute 1 (montani) deckten sich also nahezu“: für Frei-berg i. Sachsen H. Ermisch im Cod. dipl. Sax. reg. 13 (1886), XXXI.
8 Vgl. Schmoller, a. a. 0. S. 651 ff.
9 W. Heyd, Gesch. des Levantehandels 1, 125/26.