280 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .
Und was für Tirol so klar zu Tage tritt, wird sich in denmeisten übrigen Bergbaudistrikten nicht minder schroff vollzogenhaben: die Verdrängung der kleinen Glewerken' durchpotente Geldmänner. Begegnen wir doch in späterer Zeitüberall den Spuren grofser, am Bergbau beteiligter Handelshäuser:in Schlesien 1 , in Sachsen 2 , in Böhmen 3 , im Schwarzwald *.
Also darüber kann kein Zweifel obwalten, dafs der deutscheBergbau im 15. und 16. Jahrhundert wesentlich dazu beigetragenhat, die Geldaccumulation zu beschleunigen: er leistet in zehn Jahrendas, was der Handel alten Stils in hundert nicht zu vollbringenvermocht hatte. Aber die hier sich vor unseren Augen vollziehendeBildung von Grofsvermögen ist doch nicht Kapital b i 1 d u n g.Sie ist vielmehr, wie noch zu zeigen sein wird, selbst schon inden meisten Fällen die Folge kapitalistischer Wirtschaft, kann somit
Testhen betrugen sie 1560 (erstes Jahr) bezw. 5020 fl. und 8853 fl., im Jahre1562 bereits bezw. 10191 und 54503 fl. J. Hartung, Aus dem Geheimbucheines deutschen Handelshauses im 16. Jahrhundert in der Zeitschrift für Social -und Wirtsehaftsgesch. 4, 39.
1 E. Fink, Die Bergwerksunternehmungen der Fugger in Schlesien inder Zeitschr. des Ver. f. Gesch. und Altertum Schlesiens 28 (1894), undC. Faulhaber, Die ehemalige schlesische Goldproduktion. Bresl. Diss. 1896.
2 Ehrenberg, Zeitalter der Fugger 1, 187 ff.
8 A. von Scheurl, Christoph Seheuri (1884), 30. Aus ihren ungarischenBergwerken zogen die Fugger und Thurzo in den Jahren 1495 bis 1504 eine Divi-dende von 119 500 fl. rhein . 1504—1507 betrug die Dividende für jeden Teil238 474 fl., 1507—1510 142 609 fl. Die Fugger allein berechneten ihren Reingewinnaus dem „ungarischenBergwerkhandel“ (worin allerdings die verpfändeten Kron-einkünfte eingesehlossen gewesen sein werden: siehe über diese S. 254) auf 1297192rhein. Gulden. F. Dobel, Der Fugger Bergbau und Handel in Ungarn inder Zeitschr. des historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 6 (1879),33 ff. In unmittelbarem Zusammenhänge mit der Entwicklung des Silber-bergbaus stand die ungeheure Einträglichkeit, die der Bergbau auf Queck-silber hatte, da durch die Erfindung des Amalgierungsprozesses eine er-schöpfende Ausbeutung der Silbererze möglich wurde und daher das Queck-silber während des 16. Jahrhunderts neben Silber und Gold der meistbegehrtcGegenstand wurde. Wieder waren es die Fugger, die durch die monopoli-sierte Ausbeutung der von ihnen gepachteten Gruben von Almadön ungeheureReichtümer sammelten. Ihr Gewinn betrug 85 und 100 °/o; in einer fünf-jährigen Pachtperiode verdienten sie 166 370 Duk., von 1572—1582 ca. 300 000Duk., 1582—1594 636 000 Duk., 1595—1604 ca. 600000 Duk. K. Hä hier,Gesch. der Fuggerschen Handlung in Spanien 102 f. 156. 169. 176 f. 193.
* „Augsburger Bankiers haben überall die Hand im Spiel gehabt; auchim Bergbau des Münsterthals haben zuletzt die Fugger die Freiburger Pa-trizier abgelöst.“ Gothein, 599.