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Distrikte erwähnt, die nach und nach an die Kirche von Aquileja geschenktworden waren. Cit. von Leo, Gesch. d. ital . Staat. 1, 497. —
Mit Absicht habe ich alle Angaben über den Landbesitz der Venetianeraus der frühesten Zeit gewählt, um von vornherein dem Einwurf zu be-gegnen: es seien die Besitzungen etwa schon ein Ergebnis des im Handelaccumulierten Reichtums. Wer das für das 13. und 14. Jahrhundert behauptenwollte, würde wenigstens nichts schlechthin Unglaubwürdiges behaupten. *Fürdie frühere Zeit ist der Gedanke absurd. Vergessen wir doch nicht, dafsnoch im 12. Jahrhundert Venedig eine Stadt aus Holzhäusern war, die mitStroh und Schindeln gedeckt waren und zwischen denen die torri der Nobili(das sind eben die Grofsgrundbesitzer) wie Inseln hervorragten. Vgl. Mol-men ti 127.
Dafs aber in der Folgezeit die städtische Grun drente gerade auch inVenedig die Quelle beträchtlicher Vermögensbildung werden mufste, wurdeschon hervorgehoben. Nach der allerdings wenig zuverlässigen SchätzungMocenigos hatten die Häuser Venedigs (1423) einen Wert von 7 Mill. Duk.und brachten 500 000 Duk. Ertrag. Muratori, SS. 22, 959. Die Besitzertreffen wir als Handelsleute wieder. So hatten die Gebr. Soranzo voneinem Gesamtvermögen von 9900 Duk. 3000 Duk. in Hausbesitz investiert,der ihnen 230 Duk. jährlichen Ertrag abwarf. Auch spekuliert wurde mächtigin Grundbesitz. Vgl. II. Sieveking, Aus venetianischenHandlungsbüchern,in Schmollers Jahrbuch XXV.
Florenz.
Wenn irgend eine der blühenden Städte des Mittelalters seinen Glanznicht zuletzt dem Inurbamento des grundbesitzenden Adels verdankt, so istes Florenz. Radikaler als die meisten anderen Städte, selbst Oberitaliens ,führte es den Eingemeindungszwang gegenüber den Krautjunkern durch, denenes sogar, wie bekannt, die Verpflichtung auf legte, sich bei einer der Zünfteeinschreiben zu lassen, um volles Bürgerrecht zu geniefsen. So schuf einebewufst bürgerliche Politik die soliden Grundlagen, auf denen sich dannHandel und Industrie entwickeln konnten. Gerade für Florenz ist es mitHänden zu greifen, wie es zum grofsen Teil die monetarisierten Landrentensind, aus denen die bürgerlichen Hantierungen ihre Nahrung ziehen; ist derUmwandlungsprozefs dieser Geldvermögen in Kapital ganz besonders deutlichzu verfolgen und mit ihm die Metamorphose der alten Nobili in einenBestandteil der bürgerlichen Aristokratie. Welche Rolle der grundbesitzendeAdel für das Wirtschaftsleben der Arnostadt spielte, vermögen wir aus demAnteil zu entnehmen, den im 13. und 14. Jahrhundert von den gröfserenWaren- und Geldhandelshäusern — bekanntlich lag die Bedeutungdes mittelalterlichen Florenz in seinem Geldgeschäfte — die Adligenbilden.
Es wird, um den Beweis dieser Behauptung zu führen, am zweck-mäfsigsten sein, wenn ich im folgenden die mir bekannt gewordenen Familiendes alten Florenz , von denen sich quellenmälsig feststellen läfst, dafs sie In-haber bedeutender Handelshäuser und Adlige waren, einfach wieder der Reihenach aufzähle; es sind dies die Familien der
Abbati: ghibellinischer Adel; P. Santini, Societä delle torri in Firenze ,im Arch. stör. ser. IV. t. XX. p. 47. 200. S.s Arbeit ist durchgängig auf ur-