346 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
flanken, denn sie fürchteten, wenn ihr Herr gleichsam ins Jenseitsihnen nachsetze, ihre Knechtschaft sich auch dorthin erstreckenmöchte. Um also wenigstens nach dem Tode Ruhe zu haben,kehrten sie zu ihrem irdischen Elend zurück 1 .
Also damit war es nichts. Jene Indios, die Colon den wahrenReichtum der neuen Welt genannt hatte, bereiteten ihren Herreneine herbe Enttäuschung. Sie erwiesen sich als unfähig, der Seg-nungen der europäischen Kultur teilhaftig zu werden. So wurdedenn den Besiedlern Amerikas das Kolonialproblem in seiner zweitenFassung gestellt: wie anders wohl die erforderlichen Ausbeutungs-objekte zu beschaffen seien. Das Problem wurde, wie bekannt, inglänzender Weise gelöst: das menschenreiche Afrika bot sich alsunerschöpfliches Reservoir zur Heranziehung von Arbeitskräftendar. Die schwarze Sklaverei begann ihre welthistorische Missionzu erfüllen 2 . Centralamerika, Brasilien und Westindien gaben denSchauplatz für sie ab. Mit bewundernswerter Schnelligkeit dehntsich die Negersklaverei in diesen Gebieten aus. 1501 bemerkenwir die ersten Einfuhren von Negern, 1510 beginnt der Handel vonLissabon aus zur Bergwerksarbeit, zwischen 1513 und 1515 fälltder Anfang des Zuckerrohrbaus auf den Antillen, 1518 wird dererste Asiento de negros abgeschlossen, 1530 erfolgt das Verbot derIndianersklaverei, aber schon 1520 waren in S. Domingo die Neger-sklaven so zahlreich, dafs die europäischen Ansiedler mit Zagendie Eventualität einer Erhebung der Schwarzen erwogen. Ähnlichlagen zeitweise die Verhältnisse in Puerto Rico . Im Jahre 1535bestanden auf S. Domingo bereits 30 Zuckersiedereien 3 .
Doch ist das alles hier natürlich nicht zu verfolgen. Was uns
1 Las Casas Lib. III. cap. 81 bei Peschei, 548.
2 Nicht dafs sie erst aufgetreten wäre: Negersklaverei hat es das ganzeMittelalter hindurch gegeben; Negerhandel wurde die längste Zeit über Landvon den Mauren getrieben. Vgl. Sprengel, Vom Ursprung des Negerhandels,14 ff.; seit 1445 treten die Portugiesen an ihre Stelle. Peschei, 68 ff.
3 Aufschlufs über die Negersklaverei geben alle die bekannten Darstel-lungen der Kolonialgeschichte Amerikas . Aufserdem existiert eine umfang-reiche Speciallitteratur, von der freilich die wenigsten Schriften denAnforderungen strenger Wissenschaftlichkeit genügen. Trotzdem sind wirauch gerade auf die älteren Werke noch immer angewiesen. Es mag hiergenügen, von diesen folgende zu nennen: M. Chr. Sprengel, Vom Ursprungdes Negerhandels. 1799. An Essay on the Slavery and Commerce of thehuman species particulary the african . 1786 (enthält Übersicht über weiterezeitgenössische Schriften). Falconbridge, An account of the slave trade.1788; deutsch 1790. Th. F. Buxton, The african slave trade. 1839; deutsch1841 (es wurde von mir die deutsche Übersetzung benutzt). A. Moreau de