Fünfzehntes Kapitel. Die Ausbildung des ökonomischen Rationalismus. 395
Vermögens bewirken, in einer solchen systematischen Ordnungverzeichnet werden, dafs das System des Wirtschaftsbetriebes gleich-zeitig das System der Buchführung bildet 1 .“
Es ist hier nun nicht weiter zu verfolgen, wie sich dieseRechenhaftigkeit und Schematistik allmählich in den gesamten Volks-körper verbreitet und der Kapitalismus dadurch sich neue Nahrungs-quellen erschliefst. Sonst müfste ich im einzelnen darstellen, wiesich die Rechenkunst seit dem 14. Jahrhundert in Italien 2 3 , seit dem15. und namentlich 16. Jahrhundert im Norden durch mündlichenund gedruckten Vortrag in immer weitere Kreise verbreitet 8 . Wieimmer stärker der Sinn für das Exakte, die genaue Messung vonRaum und Zeit sich entwickelt: wie die Anfänge der Feldmefs-kunst, der Stadtpläne während des 14. Jahrhunderts in den italieni-schen Städten sich verfolgen lassen 4 * 6 * , ebenso wie die Fortschritteder öffentlichen Zeitmessung®, wie die Ausbildung eines rationellenMafs- und Gewichtssystems. Müfste auch darstellen, wie die Ge-sellschaft gleichsam für ihre eigene Geschäftsführung ebenfalls ein
1 Seidl er, Die theoretischen Grundlagen der doppelten Buchhaltung,in der Zeitschrift für Volkswirtschaft etc. 10 (1901), 55. — Diese wenigen Andeu-tungen über die specifische Geeignetheit der doppelten Buchhaltung für diekapitalistische Geschäftsführung müssen hier genügen. Die umfassende Litte-ratur über Buchführung hat m. W. die im Text angeregte Frage überhauptnoch nicht gestellt. Auch der genannte Aufsatz Professor Seidlers erfülltdoch nicht ganz die im Titel erweckten Hoffnungen, sondern giebt im wesent-lichen nur eine (allerdings von den mir bekannten die klarste) Darstellungder Principien der d. B., ohne diese jedoch in Zusammenhang mit den Zweckendes herrschenden Wirtschaftssystems zu bringen. Die tiefste Behandlung hatdas Problem erfahren in der neuesten Bearbeitung des Gegenstandes, demgeistvollen Buche von L6o Gomberg, La Science de la comptabilitd et sonsystfeme scientifique (1901). Vgl. namentlich S. 35 ff.
2 Vianello, Luca Paciolo , 77 ff.
3 Unger, Methodik, 1 ff. 35 ff.
4 Den besten Überblick über diese und verwandte Erscheinungen findet
man in dem geistvollen Buche von Libri, Hist, des Sciences mathdm. 2 (1838),86 ff. 218 ff. 238 ff. und öfters.
6 Eine Uhr in Mailand seit 1306 bei den frferes Precheurs. Giulini,
Memorie di Milano (1770) 9, 109. Während des 14. Jahrh. haben alle gröfserenitalienischen Städte Uhren, die die 24 Stunden schlagen. Muratori, Script,rer. it. 12, 1011 (Mailand); 18, 172 (1356 Bologna ). E. Gelcich (Geschichteder Uhrmacherkunst. 5. Aufl. 1892. S. 24) erwähnt öffentliche Uhren inItalien während des 13. Jahrhunderts; ich habe dafür urkundliche Belegenicht finden können. Ebenso erscheint es mir unwahrscheinlich, dafs bereits
1228 eine öffentliche Uhr auf Westminster zu London vorhanden gewesen sei,wie C. Schirek, Die Uhr in kulturgeschichtlicher Bedeutung (1890), S. IX/Xbehauptet. Vgl. dagegen Anderson, Annals 1, 354.