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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
397
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Fünfzehntes Kapitel. Die Ausbildung des ökonomischen Rationalismus. 397

Er wollte gewinnen, dieweil er könnte das wird die Devisedes kapitalistischen Unternehmers. Und dabei bemerken wir nun aber-mals eine nicht unwesentliche Umgestaltung in der Vorstellungswelt derWirtschaftssubjekte. Wir beobachten nämlich, wie langsam sichdas Verhältnis von Mittel und Zweck wieder umkehrt. Es wardas Novum gewesen, die wirtschaftliche Thätigkeit als Mittel zumZwecke des Erwerbes anzusehen. Langsam vollzieht sich nun aber-mals eine Wandlung des Inhalts, dafs der neue Zweck seine fasci-nierende Wirkung einbüfst und die wirtschaftliche Thätigkeit selbstwieder als Zweck erscheint. Aber nun in der neugeprägten Form:als Kalkulation, Spekulation, als Geschäft. Langsam streckt derMoloch des Geschäftssinnes seine Krallen aus, um nun mit wachsen-dem Erfolge Generationen auf Generationen zu verschlingen.

War erst einmal das Sachvermögen zur Person geworden, sowurde nun langsam die Person zur Sache, zu einem willenlosenRädchen in dem Riesenwerk des modernen Geschäftsverkehrs. Sokommt es, dafs auch längst, nachdem der Sinn für Geldbesitz er-storben, der in den Mechanismus des Geschäftslebens eingeschalteteUnternehmer doch immer nach wie vor rastlos im Erwerben verharrt,bis er dieses schliefslich als eigentlichen Zweck aller Thätigkeit und allenDaseins begreift. Die ganze Welt wird ihm so in seiner Vorstellungzu einem riesigen geschäftlichen Unternehmen, in dem es ebenso vieleKonten giebt, wie Staaten, Städte, Klassen oder auch einzelne Indi-viduen bestehen. Wertung in Geld, rechnungsmäfsige Feststellungvon Leistung und Gegenleistung, Debet und Kredit werden die Kate-gorien seiner Weltbetrachtung. Und gleichsam als Devise flammenin goldenen Buchstaben über dem ganzen Getriebe die Worte empor:

Soll und Haben!

ment, you give him be lucrative, especially if the profit be attached to everyparticular exertion of industry, he has gain so often in his eye, that he ac-quires, by the degrees, a passion for it, and knows no such pleasureas that of seeing the daily increase of his fortune. And that is thereason why trades increases frugality and why, among merchants, here isthe same overplus of misers above prodigals as among the possessors of land,there is the contrary. Hume, Essays, 2, 57.