Siebzehntes Kapitel. Hemmungen der kapitalistischen Entwicklung. 411
Im 13. Jahrh. die Albigenserkriege, im 14. und 15. Jalirli. dieKriege gegen die Türken, in denen die Päpste die kämpfendenGriechen, Rhodiser und Cyprioten immer wieder mit neuen Summenunterstützten 1 . In allen diesen Kriegen, die bereits grol’senteils mitSöldnern geführt wurden 2 3 , spielt das Geld schon eine entscheidendeRolle. So lernen wir es begreifen, wie es zuging, dafs die beträcht-lichen Summen, die in den Kassen der Camera apostolica Zusammen-flüssen, rasch aufgebraucht wurden und daneben noch Schulden überSchulden gemacht werden mufsten: der heilige Stuhl meist, wieInnocenzIV. klagte, non solum inmobilibus bonis suis pene penitusexhausta, sed et maximis quoque debitis obligata war 8 . Wie dasPapsttum, so mufsten gleicherweise die italienischen Städte ihrerNatur entsprechend die Kriegführung zur reinen Geldfrage ge-stalten 4 * . Schon seit dem XIII. Jahrhundert vernehmen wir von„Soldati“ catalani, borgognoni, tedeschi ed altri cavalieri oltre-montani che vanno ogni giorno crescendo di numero.
Und welche ungeheure Summen mufsten in den winzigenGemeinwesen dem Moloch der durch allerhand Fehden immer wiedernotwendig gemachten Kriegsführung geopfert werden! Man stellesich doch nur vor, was es heifst, wenn eine Stadt wie Florenz imJahre 12(30 gegen Siena 30000 Mann ins Feld schickt 6 * . Um diesenAufwand zu bestreiten, mufste alles Vermögen herhalten, das irgend-wie disponibel war. Und die öffentlichen Anleihen, die nun ihrWesen beginnen, dienen dazu, die allerorts sich ansammelndenPrivatvermögen in die Tresors der Stadtverwaltungen einmündenzu lassen. Die wohlhabenden Bürger fanden auf diese Weise einehöchst bequeme und gewinnbringende Art, ihre Vermögen zu ver-werten. Im 13. Jahrhundert suchten die reichen Geldbesitzer inGenua zu verhindern, dafs die Stadt ihre Schulden tilge, weil sie„in der verzinslichen Staatsschuld eine erwünschte Gelegenheit zurAnlage erblickten“ °. Die stehende Schuld Genuas datiert seit 1257.Im Jahre 1322 bezifferte sich die gesamte Staatsschuld Genuas auf
1 Gottlob, Aus der Camera apostolica, 179.
2 Kirsch, Die päpstl. Kollektor, in Deutschland, XII.
3 Gottlob im Histor. Jahrb. 20, 666. 675 ff.
4 Das ist hübsch entwickelt von P. Villari , I primi due secoli della
Storia di Firenze 1, 311 f.
6 O. Hartwig, Eine Mobilmachung in Florenz in seinen Quellen und
Forschungen zur ältesten Geschichte der Stadt Florenz 2 (1880), 299.
6 Sieveking, Gen. Fin. 1, 47.