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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Siebzehntes Kapitel. Hemmungen den- kapitalistischen Entwicklung. 413

Nördlingen, Dinkespalil, Popfingen, Esslingen und 9 andere Städte70000 fl., Meiningen 11000 fl., Augsburg 37 000 fl. 1 2 .

Während Italien mühsam, aber doch, wie wir sahen, mit Erfolgdank vor allem seiner mächtigen kolonialen Accumulation schon imVer-lauf des Mittelalters jenen unausgesetzten Aderlässen zum Trotz kapita-listisches Wesen entfaltete, haben die übrigen Länder gegen solcheÜbermacht nicht anzukämpfen vermocht. Hier mufsten ganz aufser-gewöknliche Ereignisse eintreten, um die Accumulation zu einerHöhe zu führen, auf der sie trotz aller Ablenkungen die kapitalistischeWirtschaft begründen konnte. Wir lernten diese Ereignisse in demmächtigen Anschwellen der Edelmetallproduktion kennen, wie essich namentlich in Deutschland seit der Mitte des 15. Jahrhundertsnachweisen läfst.

Aber es sollte sich im weiteren Verlauf der Entwicklungbald zeigen, dafs mit der gesteigerten Edelmetallproduktion auchdie Verwendung der rasch accumulierten Geldvermügen zuaufserwirtschaftlicken Zwecken an Ausdehnung zunahm. Jetzt erstrecht im 16. Jahrhundert gewinnen die Kriege an Ausdeh-nung und Schärfe. Die Fehden zwischen Karl V. und Franz I. beanspruchen einen Aufwand, dem gegenüber alles frühere Kinder-spiel gewesen war. Das Söldnerwesen gelangt erst jetzt zu vollerAusbildung. Seit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts dringt zu-nächst in Frankreich das Princip des modernen stehendenHeeres immer mehr durch. Der Soldatenstand fing seit dieserZeit an, ein Gewerbe (metier) zu werden, während er frühernur eine Abenteurerlaufbahn gewesen war; die Werbung wurde,und zwar zunächst für das Fufsvolk, zur Quelle, der Werbe-vertrag zur Grundlage des französischen und bald des europäischenKriegsdienstes überhaupt. Vollendet wurde diese Reform nach demVerlust der Schlacht von Guinegatte in dem Übungslager vonPont de lArcke 3 . Damit waren aber neue ungeheuer gesteigerteAnforderungen an die Finanzkraft der Fürsten herangetreten, denngleichzeitig wurde die Unterhaltung der Söldnertruppen bei derwachsenden Konkurrenz um die Arbeitskraft im Kriege immerkostspieliger. Es wäre gänzlich überflüssig, in Anbetracht der vor-trefflichen Bearbeitungen, die gerade diese Epoche der Wirtschafts-geschichte gefunden hat, näher auf Einzelheiten hier einzugelien.Wir wissen, dafs alle die grofsen Vermögen, nicht zuletzt das

1 Chronik des Burk. Zink in Chron. d. St. 5, 7.

2 Max Jäh ns, Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens (1880), 838.