Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
464
Einzelbild herunterladen
 

4(34 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

Bauzeit erstreckte sich gemächlich auf 2 Jahre. Architekten warennur für gröfsere Staatsbauten vorhanden, in äufserst seltenen Fällenwurden Pläne zu herrschaftlichen Wohnhäusern von den akade-mischen Architekten der polytechnischen Schulen entworfen.

Die einzelnen beim Bau thätigen Handwerksmeister standenauch noch in der Regel in einem separaten und direkten Verhältniszum Bauherrn, unter sich also in keinem Verhältnis gegenseitigerÜber- oder Unterordnung.

Die Technik des alten Fachwerk - Hausbaus brachte es mitsich 1 , dafs der Schwerpunkt der Bauthätigkeit noch mehr imZimmergewerbe lag. Während im Jahre 1849 in Preufsen 5966Maurermeister gezählt wurden, gab es 6574 Zimmermeister. Letzterearbeiteten noch die gesamte Holzkonstruktion handwerksmäfsig vomrohen Bau bis zum Balken und Gesims auf dem Bauplatz amBauort.

Hatten Maurer und Zimmerer die Konstruktion des Hausesfertiggestellt, so folgte nun die Schar der übrigen Handwerker,um den Bau in seinen Einzelheiten zu vollenden: Dachdecker,

Gipser, Anstreicher, Maler, Tapezierer, Tischler,Schlosser, Klempner, Töpfer, Glaser sind mehr oderweniger dabei beteiligt 2 . Ich kann hier von ihnen allen nureinige charakteristische Eigentümlichkeiten aussagen, um die Dar-stellung nicht allzu sehr in die Breite zu führen.

Gemeinsam ist allen diesen Kleinbauhandwerkern, dafs sie inalthergebrachter handwerksmäfsiger Organisation bis in die Mittedes Jahrhunderts sich erhalten haben. Die Lebensfunktionen dereinzelnen aber sind diese:

Der D achd eck er deckt die Dächer mit Schiefer oder Ziegeln:das Holzcementdach verbreitet sich erst seit den 1840er Jahren vonSchlesien aus. Das Rohmaterial liefert ihm entweder sein Bauherroder die Bauern fahren es ihm auf den Markt 3 .

1 In Kassel Anfänge des Steinbaus Mitte der 1840er Jahre. Bähr,a. a. 0. S. 27.

2 Uber den Anteil der einzelnen Handwerker am Hausbau vgl. Olden-berg, Das deutsche Bauhandwerk der Gegenwart. Berl. Diss. 1888. S. 30.Neuerdings U. IX, 545.

8 In Frankfurt a. M. vor Eröffnung der Eisenbahnen: U. I, 323. Einanschauliches Bild vom Stande des städtischen Häuserbaues um jene Zeit er-geben auch folgende Ziffern. In der städtischen Feuersocietät für die Kur-mark, Neumark und Niederlausitz betrug der Taxwert der versichertenGebäude im Jahre 1841 in der I. Klasse, das sind wesentlich die massiven Ge-bäude, 7775600 Thlr. ; in der II. Klasse; das sind wesentlich die Fachwerks-