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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.

fertigung von Pappschachteln, Kartons, Futteralen, Düten x , etc. etc.ihm oblag.

Ja sogar ein Teil der Papierverfertigung fiel dem Buchbinder,der stets von der Gefahr einer Unterschreitung des Arbeits- undErnährungsminimums bedroht war, als willkommene Ergänzung seinesProduktionsgebietes zu.Die ältere der heute lebenden Genera-tionen kann sich noch der Zeit erinnern, wo der LumpensammlerZeugreste für die an dem nächsten Flufslaufe gelegene Papiermühleholte, welche die Lumpen zu Brei stampfte und ein grobes, porösesPapier herstellte, welches unter den geschickten Händen des Buch-binders erst für seine Zwecke brauchbar wurde. Er zog es durchLeimwasser oder Brühe von Kalbfüfsen, liefs es trocknen und ver-lieh der abgelagerten Schicht des Bindemittels mit dem FalzbeinGlanz und Glätte. Durch Zusatz von Farbstoffen zu der Flüssig-keit färbte er auch das Papier und maserte es durch Betupfen mitdem Pinsel oder indem er zwei frischgeleimte Bogen mit derrechten Seite, wo die Farbe aufgetragen war, aufeinanderlegte undsie dann langsam von einander abhob 1 2 3 * * * * .

All diese Arbeiten sind ihm bis in die Mitte unseres Jahr-hunderts zu einem grofsen Teil wenigstens 8 erhalten geblieben.Erst nachher beginnt vor allem auch die lievolutionierung derBuchbindertechnik: seit Mitte der 1840er Jahre dringt der Calicoein, gleichzeitig mit ihm zahlreiche Maschinen wie die Beschneide-maschine, Pappschere und Vergold erpresse, später Heft-und Linier-maschinen u. s. w.

1 Das Dütenkleben bezw. Dütendreben war ursprünglich allgemein Sachedes Lehrlings in den Kolonialwarengeschäften. Es bedeutete schon eineSteigerung der Verkehrsintensität, als diese Verrichtung aufserhalb des Ladensbesorgt wurde; derjenige, der sie übernahm, war der Buchbinder. Erst Endeder 1850er Jahre beginnt in weiterem Umfange die fabrikmäfsige Düten-herstellung. Bestätigt für den Bezirk der H.K. Halberstadt in derenFest-schrift zur Feier ihres 25jährigen Bestehens (18731898) S. 91.

2 Elisabeth Gnauck-Kühne , Die Lage der Arbeiterinnen in derBerliner Papierwarenindustrie, in Schmollers Jahrbuch XX (1896) S. 374/75.

3 Teile der Papparbeit waren bereits abgebröckelt. So zählt die preufsischeFabrikentabelle für das Jahr 1849Fabriken für Kartonnage, Portefeuille,

Visitenkarten, bunt Papier, Goldborten, Goldleisten, Bildermalerei, Stick- und

Strickmuster 39 mit 828 Arbeitern auf. Doch ist dieser Eingriff in das alte

Buchbinderhandwerk noch recht unbedeutend, wenn man erwägt, wie viele

der in dieser Zusammenfassung aufgeführten Produktionszweige überhaupt

nie dem Arbeitsgebiet des Buchbindergewerbes angehört hatten.