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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 551

Vom einfachen Handleuchter bis zum kunstvoll ausgearbeitetenLüstre, von kleinen Ziergegenständen bis zu allen nur erdenklichenBedarfsartikeln des täglichen Lebens wird hier alles gefertigt.Aber auch hierin mficht sich in der letzten Zeit bereits wieder eineScheidung geltend, indem die eine Werkstatt sich hauptsächlich aufdie Herstellung von Leuchtern, Lüstern und Wandlampen beschränkt,während die andere wieder nur Tische, Blumengestelle und kunst-volle Glockenzüge anfertigt. Neben grofsen Unternehmen solcher-art spielen die kleinkapitalistischen Kunstschlossereien auch in-Nürnberg , wo für sie noch ein verhältnismäfsig günstiger Bodenist, nur eine untergeordnete Rolle.

In andern Städten hat die Kunstschlosserei einen noch vielausgeprägteren grofskapitalistischen Charakter. So z. B. in Berlin .Hier istgerade dieses Gebiet sc. der Schlosserei mehrund mehr in die Hände gröfserer Betriebe gekommen (U. IV, 292),deren es etwa 20 mit einem Personal von je über 50 Köpfen giebt.Die renommiertesten Firmen, wie Puls 1 u. a., beschäftigen mehrerehundert Arbeiter. Dasselbe gilt von München, wo die beiden.bedeutendsten Häuser bezw. 50 und 70 Arbeiter haben, Breslau, wo die einzige bedeutende Kunstschlosserei etwa 120 Personen be-schäftigt, und allen übrigen gröfseren, berühmten Etablissements,wie Armbruster in Frankfurt a. M., Bähler in Offenburg i. B.

Von anderen Metall verarbeitenden Kunstgewerben wäre etwanoch die Kunstklem'pnerei zu nennen. Von ihr heifst es indem einzigen mir bekannten Berichte (U. VII, 315/16):Die neu

entstehenden Erzeugnisse der Kunstklempnerei sind . . . Statuen,Figuren, Ornamente etc., die nach Modellen gearbeitet sind undmeist mit den gewöhnlichen grofsen Maschinen der Ornamenten-fabriken vorgearbeitet werden müssen, sollen sie nicht zu teuerwerden. Sie fallen den bestehenden Ornamentenfabriken zu, diesolche Maschinen besitzen, und die für die Handarbeit ständig einenoder einige besonders hochbezahlte Arbeiter annehmen können.

Dafs auf dem Gebiete des Porzellans und Steinguts allekunstgewerblichen Leistungen sich von jeher im Rahmen, allerdingshäufig staatlicher Grofsbetriebe bewegt haben, ist bekannt und magder Vollständigkeit halber hier wenigstens erwähnt werden. Icherinnere an die Meifsener und Berliner Porzellanmanufakturen, andie Weltfirma Villeroy & Boch in Deutschland , an die Sevres-

1 Eine anschauliche Beschreibung dieses hervorragenden Geschäfts sieheinÜber Land und Meer. 40. Jahrg. (1897/98), Nr. 50.