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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
623
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Siebenundzwanzigstes Kapitel. Die Handwerker in der Gegenwart. 623

Dafs die meisten dieser Ziffern in gar keinemZusammen-hang mit der Lage des Handwerks in den betreffenden Ge-werbszweigen stehen, dürfte für jeden Kundigen aufser Zweifelsein. Aber beweisen sie auch nur etwas für die Frage, die unshier beschäftigt: hat und in welchem Umfange hat eine Anpassungder Zahl der Gewerbetreibenden an die verringerte Arbeitsgelegen-heit stattgefunden? Wenn ja, dann folgendes:

In einigen Gewerben besteht die Tendenz zu einer der Verengungdes Produktionsgebietes entsprechenden Verringerung der Berufs-tätigen; es ist aber sehr wahrscheinlich, dafs in diesen Zweigendie Verringerung nur selten mit den Arbeitsverlusten gleichenSchritt hält; sicher thut sie es nicht bei den meisten derjenigenGewerbe, in denen eine Verringerungstendenz überhaupt nicht vor-liegt, womöglich noch eine Vermehrung beobachtet wird. Dasergiebt sich aus den Kenntnissen, die wir im vorhergehendenKapitel über die Lage des Handwerks gesammelt haben, das gehtaber mit Evidenz auch aus den Thatsachen hervor, die im folgen-den mitgeteilt werden sollen. Da werfen wir nämlich die Frage auf:

2. Was geschieht, wenn die Zahl der Handwerkersich der verringerten Arbeitsgelegenheit nicht an -pafst?

Dann tritt, so lautet die erste Antwort, zunächst ganz allgemeinein Ausfall an Beschäftigung und damit in der Regel an Einnahmenein. Man pflegt diesen Zustand mit dem schönen WorteÜber-setzung des Handwerks zu bezeichnen: es sind zu viel Händeda, damit alle voll beschäftigt, und folglich auch zu viel Münder, damitalle zur Befriedigung gestopft werden können. Dafs nun ein solcherLeidenszustand im Handwerke heute chronisch sei: um das nach-zuweisen, bedürfte es gar nicht erst neuer und gründlicher Unter-suchungen; jedermann, der in irgend nähere Berührung mit demHandwerk zu kommen Gelegenheit hat, wird die Beobachtungmachen, dafs fast in allen Zweigenzu viel Berufsthätige da sind,dafs jedenfalls überall unzureichende Beschäftigung das immerwiederkehrende Lamento bildet. Zum Überflufs haben es die neuenUntersuchungen über die Lage des Handwerks bestätigt, was demSehenden bereits offen zu Tage lag: auf jeder Seite fast kehrt die-selbe Klage wieder: es haben nicht alle Handwerker das ganzeJahr über Arbeit; weniger würden genügen, um das vorhandenePensum Arbeit zu absolvieren u. s. w. Wir haben selbst an ver-schiedenen Stellen schon solche Auslassungen kennen gelernt.