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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Kapitel. Die neue Technik.

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zeuge in einer früheren Zeit der sogen. Manufakturperiodeschon einmal eine höhere gewesen als heute, wo die Differenzierungdurch die Maschine eine Rückbildung erfahren habe. Im Gegenteil:die Differenzierung ist vielmehr auf die Maschinerie ausgedehntworden, wie noch zu zeigen sein wird.

Die leiseste Unterscheidung der Arbeitsverrichtung wird be-gleitet, unterstützt, ermöglicht durch das entsprechend ihr angepafsteWerkzeug. Und es liegt auf der Hand, wie sehr die fortschreitendeZerlegung der Arbeit wiederum die Ausbildung der Werkzeug-technik fördern mufs, um wie viel besser bei jeder neuen Verein-fachung der Teilverrichtung denn auf Vereinfachung läuft dochalle Zerlegung hinaus das entsprechende Werkzeug der mensch-lichen Hand angepafst werden kann und wie auf der anderen Seitejedes neue verfeinerte Werkzeug die Arbeitsleistung wiederum steigernmufs.Müssen wir für die älteste Zeit geringfügige Wirkung nachaufsen verbunden mit grofser Anstrengung und geringer Geschick-lichkeit des Subjekts in Zusammenhang bringen mit höchst ein-fachen und unvollkommenen Werkzeugen, die in unbestimmter All-gemeinheit gleichsam alles in allem waren, so setzt uns die heutigeEntwicklungsstufe in Erstaunen durch die grofse Mannigfaltigkeitder Wirkungen, welche durch höchst einfache, gleichsam elementaremechanische Potenzen hervorgebracht werden. Wir erkennen abersofort, dafs die letztere Einfachheit von der ersteren fundamentalverschieden ist. Jene ist die Einfachheit der Armut, des unvoll-kommenen Keimlebens, der primitiven Bedürfnislosigkeit, welchedie Thätigkeit der Urgesehlechter auf wenige immer wiederkehrendeVerrichtungen beschränkte. Diese dagegen ist die Einfachheit desüberlegenen Geistes, welcher die Mittel aufs vollkommenste den zuerreichenden Zwecken anpafst und wie ein geübter Fechter oderSteuermann, mit dem geringsten Aufwand von Kraft und mecha-nischer Komplikation die jedesmal zu erreichende Arbeitsleistungausführt h

Mit dieser fortschreitenden Differenzierung des Handwerkzeugsund seiner Funktionen im engen Zusammenhänge steht nun aberdie zunehmende Vervollkommnung in der Benutzung des Werk-zeugs. Wie an der Pforte aller Kultur die Nutzung der Schwung-kraft, so steht an der der unserigen ein anderes Princip der Werk-zeugnutzung, von vielleicht noch gröfserer, noch schöpferischererBedeutung. Man hat es das Walzen- oder Rotationsprincip

1 L. Noirö, Das Werkzeug (1880), 249/50.