56 Erstes Buch. Die Neubegründung des Wirtschaftslebens.
maschinen — ändert nichts an der Thatsache , dafs als RegelArbeitszerlegung und Maschinentechnik Hand in Hand gehen.
Nunmehr aber ist es an der Zeit, auf Grund dieser Be-trachtungen die Frage zur Entscheidung zu bringen, ob es statt-haft ist, unsere Zeit als Maschinenzeitalter besonderskenntlich zu machen? Ich denke, die Sache liegt so: Will manmit jenem Schlagwort sagen, dafs um die Wende des 18. Jahr-hunderts die Maschine überhaupt erst im Wirtschaftsleben eineRolle zu spielen begonnen habe, so liegt dem eine ganz und garverkehrte Vorstellung zu Grunde. Die Maschine ist so alt wiedas Werkzeug; sie begleitet den Menschen auf allen Etappen derKultur und wächst in langsamer, schrittweiser Entwicklung zu derheute erreichten Vollkommenheit heran.
Wir haben uns nach dem Vorgang von Reuleaux jetzt darangewöhnt, als erste Maschine, also als den „ersten schüchternenVersuch des Menschen, zwei aufser ihm stehende Körper zu einerbestimmten gegenseitigen Bewegung zu zwingen“, den Feuerquirlzu betrachten 1 . Dann fällt aber der Anfang der Maschinenent-wicklung in eine Zeit, in der die Menschen das Feuer blofs erstzu religiösen, noch nicht zu gewerblichen Zwecken nutzten 2 3 , alsoin eine aufserordentlich frühe Periode der Kultur. Aber auchandere ohne allen Zweifel machinale Vorrichtungen reichen in dieDämmerung entlegenster Zeiten zurück: Pfeil und Bogen, Spindel,Töpferscheibe, von der die Drehbank sich ableitet, unterschlächtigeWasserräder, Wagen und Wagenräder, der Pflug sind Maschinen-vorrichtungen, die wir schon frühzeitig im Besitze der Menschenfinden 2 . Und aus den ersten Anfängen sehen wir die Maschine
1 Reuleaux, Theor. Kinem., 198 ff. Vgl. über diese „erste Maschine“ferner L. Geiger , Zur Entwicklungsgeschichte der Menschheit (1878) S. 93 ff.L. Noire, Das Werkzeug, S. 298 ff.
2 Die Geigersche Hypothese über die Entdeckung des Feuers als richtigangenommen; vgl. die in Anm. 1 genannte Schrift.
3 Vgl. hierzu vor allem das VI. Kapitel der Reuleauxschen Kinematik,das einen „Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Maschine“ enthält.
Übrigens sah auch Gustav Klemm schon deutlich die Anfänge desMaschinenprincips vor Augen, als er folgendes bemerkte: „Wir können wohlunter die Uranfänge der Maschine das alte Reibungsfeuerzeug, den Drillbohrerund die Handmühle rechnen. Demnächst ist Spindel und Webstuhl, sowie dieallerdings erst ziemlich spät eintretende Drehscheibe der Töpfer dabei zu be-achten . . . Die Wasserräder, die wir in Ägypten und China sehen, dieWassermühlen, ja die in Polen noch üblichen Handmühlen, die mit demHebelarm bewegt werden, sind schon weiter entwickelte Maschinen.“ Vgl.Werkzeuge und Waffen (1854) S. 302/303.