102 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
oder 12,8 °/o zum „alten“ Grundbesitz, d. h. waren länger als 50 Jahrein einer Familie. Also hatten seit 1835 77,2 °/'o ihren Besitzer ge-wechselt
III. Das Vordringen der rationell - intensivenBetriebsweise.
Was aber bedeutet das Eindringen kapitalistischen Geistes indie Landwirtschaft für deren Gestaltung selbst? Worin äufsertsich das Streben nach möglichst hohem Gewinn? Zunächst undvor allem im Übergang zu dem, was wir rationellen Land-wirtschaftsbetrieb nennen, der in der Mehrzahl der Fälle aufzunehmende Intensität der Landwirtschaft hindrängt. Wennwir uns nun im folgenden diesen Entwicklungsgang an einigenSymptomen klar zu machen suchen wollen, so müssen wir vonvornherein darauf achten, dafs zwar die steigenden Preise ohneallen Zweifel den Anstofs zu jener Bewegung gegeben haben, dafsdiese Bewegung aber offenbar nicht zum Stillstände gelangt istoder gar einer rückläufigen Strömung Platz gemacht hat, nachdemseit Ende der 1870er Jahre auf der ganzen Linie der Agrar-produkte ein Rückgang der Preise eingetreten ist. Diese Er-scheinung hat auch durchaus nichts Auffälliges an sich. Jetzt,nachdem infolge der früheren Preissteigerung und der dadurchhervorgerufenen Mehrproduktion sich die Grundrente gebildet undden Bodenpreis in die Höhe getrieben hat, bleibt der Stachel zurSteigerung der Erträge im Fleische der landwirtschaftlichen Unter-nehmer sitzen, trotzdem oder gerade weil die Preise ihrer Erzeug-nisse sinken. Auf die Grundrenten-Bildung komme ich weiterunten noch zurück. Hier können wir also den Nachweis zu führensuchen, dafs seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in ununterbrochenerEntwicklung sich ein Übergang zu intensiver Kultur in unsererLandwirtschaft vollzogen hat und noch vollzieht. Die Symptome,an denen wir diese Wandlung zu erkennen vermögen, sind aberhauptsächlich folgende.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Technik derlandwirtschaftlichen Produktion eine wenig fortgeschrittene.Die alte Dreifelderwirtschaft war hier und da, sei es durch Besömme-rung der Brache, sei es durch Übergang zur Koppelwirtschaft (ander Küste), verbessert, herrschte aber selbst in den Gutswirtschaftennach den Zeugnissen aller Berichterstatter der Zeit, die uns in
1 J. Conrad, Agrarstatistische Untersuchungen in seinen JahrbüchernIII. F. 2, 831.