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wegung scheint nun kein Ende nehmen zu wollen, auch jetzt, nach-dem längst von einer Uberschufsbevölkerung auf dem Lande keineRede mehr ist, nachdem längst die Arbeitskräfte zu mangeln be-gonnen haben. Was seinen Grund wohl vornehmlich in der That-sache hat, dafs die Weiterentwicklung des Kapitalismus durch dieErzeugung dessen, was man moderne „Agrarkrisis“ heifst, dank deshohen Niveaus der Grundrente bei niedrigen Produktenpreisen, eineTendenz zur Senkung der Profitrate in der westeuropäischen Land-wirtschaft hervorgerufen hat. Darüber später.
Somit haben wir den Abstrom der Bevölkerung, den Exodusvom Lande als eine mit Notwendigkeit im Gefolge kapitalistischerProduktionsweise auftretende allgemeine Erscheinung verstehen ge-lernt. Als eine allgemeine Erscheinung, die also gleicher-mafsen klein- und grofsbäuerliche Gegenden wie die Gebiete desGrofsgrundbesitzes betrifft, keineswegs, wie wohl behauptet wordenist, auf letztere beschränkt bleibt. Es mufste auf diese Allgemeinheitder beregten Erscheinung ohne weiteres theoretisch geschlossenwerden, auch wenn wir nicht so reich an Belegen wären für dieThatsache, dafs der Abstrom der Bevölkerung aus bäuerlichenDistrikten ebenso vorhanden ist wie aus Grofsgüterdistrikten. Viel-leicht, dafs er sich dort etwas schwächer erweist; aber vorhandenist er ganz gewifs.
Es genügt, zum Beweis aus dem reichen Zahlenmaterial,das uns zur Verfügung steht, die folgenden Ziffern mitzuteilen,die die Bevölkerungsbewegung durch Wanderung für die einzelnenGebietsteile Deutschlands während des Jahrfünft 1885—1890zum Ausdruck bringen 1 . Es ist daraus ersichtlich, dafs derExodus in Gruppe I mit vorherrschendem Grofsgrundbesitz aller-dings am stärksten, dafs er aber vorhanden ist auch in Gruppe IIund III, den Agrardistrikten mit vorwiegendem Mittel- und Klein-besitz :
Gewinn oder Verlust
Gruppe
überschufs
Bevölkerungs-
zunahme
durch Wanderung
v. d. Geburten-absolut überschuf8
I.
Östliches Preufsen .
851 770
212 666
- 639 104
—75,04%
II.
Westliches Preufsenu. Mitteldeutschland
611 578
531089
— 80 449
—13,15 %
in.
Süddeutsche Staaten
500 787
347 520
—153 267
— 30,61%
IV.
Industriecentren . .
937 688
1 480 191
+ 542 503
+ 57,86%