Sechstes Kapitel.
Grofsbritannien.
Auch in England ist es bekanntlich das Exportinteresse, dasden Jahrhunderte alten Bestand der handwerksmäfsigen Landwirt-schaft aus dem Schlendrian der Bedarfsdeckungswirtschaft in dieErwerbswirtschaft hinüberleitet. Wir wissen, dafs schon frühzeitigdie Ausfuhr von Wolle, aber auch von Getreide Neuerungen imLandwirtschaftsbetriebe herbeiführt. Aber früher als wohl in allenmodernen Grofsstaaten (also von den führenden Städtestaaten desMittelalters abgesehen) wird die Gestaltung des innerenMarktes in England derart, dafs sie für die weitere Ausdehnungerwei’bswirtschaftlicher Principien in der Landwirtschaft einen Anreizbildete. Was dazu beitrug, schon seit Beginn etwa des 18. Jahr-hunderts stimulierend auf den landwirtschaftlichen Betrieb im eigenenLande einzuwirken, war, wie mir scheint, nicht sowohl die auf-blühende Tuchindustrie, als vielmehr die zunehmende BedeutungLondons als Konsumtionscentrum. Wenn wir die Anfänge dermodernen rationellen Landwirtschaft in England zu suchen haben,so hat das ebenso sehr seinen Grund in der eigenartigen StellungLondons, wie Columella und Genossen dem alten Rom ihr Daseinverdanken.
Noch die Schriftsteller, die uns über das ländliche Eng-land im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts unterrichten, ArthurYoung 1 , die Bearbeiter Defoes, der 1788 in achter Auflage er-schien 2 , und noch Eden 3 , hinterlassen uns den Eindruck, als ob
1 Von den Schriften A. Youngs kommt für unsere Zwecke namentlichin Betracht seine „Southern Tour“: A six weeks tour through the southemcountries of England and Wales , die ich nach der 2. ed. von 1769 citiere.
2 Daniel De Foe , A Tour through the islands of great Britain. Zuersterschienen 1724. 8. Auflage, nach der ich citiere. 4 Vol. 1778. Eine ArtBaedecker, sehr brauchbar.
3 Sir F. M. Eden, State of the Poor or an History of the labouringClasses in England from the Conquest to the Present Period etc. 3 Vol. 1797.