Achtes Kapitel. Die Tendenz zur Städtebildung.
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Aber so verschieden auch der Schnelligkeitsgrad der Entwicklungist: deren Richtung selbst ist in beiden Ländern die nämliche.Danach ist es überflüssig, für die übrigen europäischen Staaten dieentsprechenden Ziffern mitzuteilen, um so mehr, als wir in neuererZeit mit zwei ausgezeichneten Monographien beschenkt sind, indenen mit Sachkunde und Gewissenhaftigkeit das weitschichtigeZahlenmaterial zusammengestellt und besprochen ist. Die Werkevon Paul Meuriot 1 und A. F. Weber seien jedem angelegent-lichst zur Lektüre empfohlen, der sich eingehender mit der Frageder Agglomeration der Bevölkerung befassen will 2 .
Genug, dafs kein europäischer Staat von der gekennzeichnetenBewegung unberührt geblieben ist. Und wenn wir nun die ge-samte Bevölkerung Westeuropas während der letzten Jahr-hunderte überblicken und den Anteil feststellen, den die Grofs-städte daran hatten, so ergiebt sich folgendes Gesamtbild: Es be-trug in angenäherten Werten 3
im Jahre
die Gesammt-
die Bevölkerung
der Anteil der grofs-
bevölkerung
der Städte über
städtischen Be-
100 000 Einwohner
völkerung
1700
80 000 000
2 600 000
3,2 °/o
1800
120 000 000
3 600 000
3,0 „
1900
280 000 000
36 000 000
13,0 n
In Wirklichkeit ist der Anteil der grofsstädtischen Bevölkerungan der Gesamtbevölkerung in der Gegenwart noch viel gröfser.Es ist mit Recht darauf hingewiesen 4 * * * 8 , dafs die Statistik, welche
1 P. Meuriot, Des agglomerations urbaines dans l’Europe contempo-raine. 1898.
2 Die beiden umfangreichen Werke, jedes über 400 Seiten stark, die kurz
hinter einander, beide als erweiterte Doktordissertationen erschienen sind, er-
gänzen sich auf das glücklichste. Umfassender ist das Buch des Amerikaners
schon räumlich, sofern es auch und gerade die aussereuropäischen Länder ein-
gehend behandelt und den spröden Stoff durch zahlreiche Relationsberechnungenvortrefflich zu verwerten versteht. Dagegen enthält das Buch des Franzosenviele Diagramme und graphische Darstellungen und bietet damit der Anschauung
willkommene Anhaltspunkte.
8 Die Ziffern für 1700 und 1800 nach J. Bel och, Die Entwicklung derGrofsstädte in Europa . VIII. Congres internat. d’ Hygiene et de Demographietenu ä Budapest du 1 au 9 septembre 1894. Comptes rendus et mdmoires,1896. Tome VII. pag 61; die Ziffer für 1900 berechnet nach Meuriot,30/31.
* Neuerdings mit besonderem Nachdruck in der interessanten Studie vonEdmund J. James , The growth of Great Cities in Area and Population.