Druckschrift 
2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
Seite
212
Einzelbild herunterladen
 

212 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.

anderer Industriezweige an eine vorhandene Industrie be-obachten. Die wichtigsten Fälle sind diese:

1. die Entstehung von Hilfsindustrien: namentlich von

Maschinenbau- und Eeparaturanstalten. Ihrer wurde bei derLancashirer Baumwollindustrie schon gedacht; in gleicher Weise istdie Entwicklung der Züricher Maschinenfabrikation eine Folge derdortigen Spinnerei, diejenige von Pirmasens eine Folge der dortigenSchusterei etc. Andere Beispiele sind: gewisse Chemikalien-

industrien, Zeichen-, Modelleur- und Graveurgewerbe u. dgl.

2. die Entstehung von Komplementärindustrien, wie ichzusammenfassend diejenigen bezeichnen will, die sich entwedervorteilhaft an den Produktionsprozefs einer bestehenden Industrieanschliefsen 1 (Walzwerk oder Giefserei an den Hochofen, Bleicherei und Färberei an die Weberei), oder die Abfallprodukte einer In-dustrie verarbeiten (Gerberei und Leimsiederei), oder die zwei inder Nachbarschaft gefundene Rohmaterialien in ihrem Produktions-prozefs vereinigen (der wichtige Hauptfall ist die Ansiedlung derEisenindustrie in der Nähe der Kohlen und Eisenerze, aber auchdie Thonindustrie [Staffordshire!], wo Thon und Kohle nebeneinanderruhen, gehört hierher).

3. die Entstehung von S upplementär ind ustrien, wie ichjene Industriezweige zu nennen vorschlage, die eine bestehendeIndustrie gleichsam ergänzen durch Nutzung der von dieser ver-nachlässigten Elemente. Hauptfall: die Niederlassung von Weiber-industrien (Spinnerei, Weberei) neben Männerindustrien (Bergbau,Montan- u. a. Industrien).

Und nun möge man endlich einen letzten wichtigen Umstandin Betracht ziehen, um die städtebildende Kraft der modernen In-dustrie einzusehen: das ist die in allen solcherart zusammen-

geführten Industriezweigen bewirkte rasche Steigerung der Produktion,wie sie als eine notwendige Folge nicht nur der ökonomischen Ent-wicklung (Expansionsbedürfnis des Kapitals), sondern auch be-stimmter Verschiebungen in der Gestaltung unseres Bedarfs sicheinstellen mufs. Die wichtigsten dieser, auf die Vermehrung derIndustriebevölkerung hindrängenden Momente sind aber folgende 2 :

1. die noch immer fortschreitende Verdrängung der längst nochnicht verschwundenen hausgewerblichen Eigenproduktion;

1 Über die Vorteile solcher Angliederung vgl. Sinzheimer , Grenzen.

2 W. Sombart, Entwickeln wir uns zum Exportindustriestaat? SocialePraxis VIII (1899). 634 ff.