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Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
für die Verbesserung der Lage der handarbeitenden Klasse auf demLande geschehen könne 1 ?“
Und die „Vereine zum Wo hie der arbeitendenKlassen“ wachsen in jener Zeit wie Pilze aus der Erde. Siefinden ihre Vereinigung in dem Centralverein für das Wohl derarbeitenden Klassen, der 1847 in Berlin gegründet wurde . . .
Und heute? Es wäre ein überflüssiges Beginnen, jenen Bildörnvon Anno Dazumal Momentaufnahmen aus dem Familienleben derGegenwart gegenüber zu stellen. Jedermann ist in der Lage, aufGrund eigener Anschauungen den Vergleich zwischen einst undjetzt zu ziehen. Bei vorurteilsloser Würdigung der beiden Zeit-epochen wird, denke ich, niemand bezweifeln können, dafs sich dieLebenshaltung aller Klassen während der letzten 50 Jahre ganzbeträchtlich gehoben hat. Dafs die „Reichen reicher“ geworden,wird ja, so viel ich weifs, auch von niemand bestritten; richtiger wäredie Formulierung, dafs die Wohlhabenden reich geworden sind.Aber lehrt nicht der Augenschein doch auch, dafs in unseren Grofs-und Mittelstädten eine breitere Volksschicht als ehedem ein leidlichwohlhäbiges Leben führt? Nicht der Handwerkerstand, der sichhöchstens auf dem Niveau von 1850 erhalten hat; aber wohl jener Trofsvon mittleren Existenzen, die die wirtschaftliche Umwandlung ehergestärkt statt geschädigt oder gar erst geschaffen hat. Das Märchenvom Schwinden des Mittelstandes (im Sinne von Personen mit aus-kömmlichen Einnahmen) sollte doch endgültig aufser Kurs gesetztwerden. Die kapitalistische Entwicklung ruft gerade in unüber-sehbarer Fülle solche mittlere Existenzen ins Leben: kleinkapita-listische Unternehmer, höhere Angestellte, Agenten, Prokuristen,besser situierte Ladeninhaber, Wirte. Und der wachsende National-wohlstand ermöglicht es, immer neuen Beamten-Kategorien zu einerleidlich sorgenfreien Existenz zu verhelfen; in immer reicheremMafse die Verabfolger von Diensten materieller oder ideeller Naturzu remunerieren.
Man mufs nur Augen zu sehen und Ohren zu hören haben, umderartiges zu konstatieren, nicht wie ein Blinder und Tauber mitvorgefafsten Meinungen sein Urteil bilden. Wer in die allabendlichdichtgefüllten Vari4t4s unserer Grofsstädte einen Blick wirft oderdas Treiben bei einem Turner- oder Radfahrer - Stiftungsfeste be-
1 Darauf bezügliche Antworten und Verhandlungen finden sich in derZeitschrift des landw. Vereins für Rhein. Preußen . 1849, Nr. 9. 10; 1850,Nr. 9. 11. 12; 1851, Nr. 2, insbesondere in der Beilage zum Februarheft.S. 73 ff.