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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Siebzehntes Kapitel. Die Mobilisierung des Bedarfs. 337

essantes Kapitel: die Genesis der Pariser Mode, von dem ichnur einzelne wenige Stücke hier wiedergeben kann 1 .

Bekannt auf der ganzen Erde als Gebilde ganz eigenartigerNatur sind die grofsen Meister der Schneiderkunst: diegrands

couturiers, dietapissiers des femmes, wie sie sich selbst liebernennen hören, von denen Mich eiet sagen zu sollen glaubte:pourun tailleur, qui sent modele et rectifie la nature, je donnerais troisv sculpteurs classiques. Ihre Zahl ist nicht gering. Selbst führende

Häuser giebt es fast ein Dutzend, unter denen wiederum Rouff undLafferiere, Pingat und Worth, neuerdings vor allem Doeuillet undDoucet an Macht und Ansehn hervorragen. Diese ganz Grofsensind in derKreierung der Mode fast autonom; ganz selten, dafssie sich einerAnregung bedienen, die ihnen die vendeurs did<$es,diedessinateurs de figurines, deren es etwa 12 in Paris giebt,gegen klingende Münze zukommen lassen. Nur in Ausnahmefällenauch folgen sie den Anweisungen ihrer Klientel.

Diese ist im wesentlichen nur ihr Organ, ist nur das Instrument,auf dem sie spielen. Vor allem die grofsen tonangebenden Kokottenund nächst ihnen die Heldinnen der Bühne im Frühjahr 1899beispielsweise die M e Bartet als Francilion, heuer (1900) mit Vorliebedie Rejane, die der Manequin Doucets ist dienen dazu, die meistenSchöpfungen der genannten Herren, wie der Ausdruck lautet, zulancieren. Dieweil aber die Herrschaft der Demimondaine überParis naturgemäfs im Winter geringer ist als in der guten Jahres-zeit, so liegen die eigentlichen Schöpfungstage der Mode im Früh-jahr und Herbst: es sind der Firnifstag im Salon, der Concourshippique, die Rennen von Auteuil und namentlich der Grand Prixin den Longchamps während des Frühjahrs, neuerdings auch einGrand Prix im Herbst. Schlägt die neue Mode ein, so folgt dieMondaine der Demimondaine bald nach und der Fortpflanzungs-prozefs, den wir oben beobachtet haben, kann beginnen, bis er seinEnde 0/22 Jahr später in dem kleinen posenschen Städtchen ander russischen Grenze erreicht.

Ich sagte: die europäisch - amerikanische Kleidermode sei dieo ureigene Schöpfung des Pariser Schneiders. Das ist nun aber doch

nur mit einiger Einschränkung richtig: es bezieht sich nämlich nurauf dieFayon der Kleidungsstücke. Machen wir uns aber klar,

1 Vgl. noch aufser den bereits genannten Schriften: Circulaire Nr. 14 derSerie A. des Musee social (80. Jun. 1897)LIndustrie de la couture et dela confection ä Paris und die daselbst angeführte Broschüre des Schneider-königs Worth.

Sombart , Der moderne Kapitalismus. II. 22

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