Achtzehntes Kapitel. Die Vermehrung der Händlerschaft. 340
insbesondere des Detailhandels , auf den ja unser Augenmerk inerster Linie gerichtet ist, eingreift. Aber die indirekte Wirkungkapitalistischer Wirtschaftsführung ist doch schon viel früher nach-weisbar, wenn wir nach den Ursachen der Vermehrung desHändlertums in unserer Zeit fragen. Ich denke dabei vornehmlichan folgende Zusammenhänge:
1. der Kapitalismus schafft in wachsendem Mafse die Gewillt-heit zahlreicher Personenkategorien, dem Handel zu dienen. Zunächstund vor allem dadurch, dafs er das sociale Werturteil der grofsenMassen zu Gunsten der Handelsthätigkeit verschieben hilft. Händlersein galt in der Zeit der handwerksmäfsigen Produktion und tausch-wirtschaftlichen Absatzorganisation keineswegs als Ziel der Wünsche:die „Handwerkerehre“ war das naturgemäfse Ideal der grofsenMenge, der Ritter und Junker das der Herrschenden. Erst imLaufe der kapitalistischen Entwicklung gewinnt neben der güter-erzeugenden und verzehrenden Thätigkeit auch die Handelsthätigkeitan Ansehn. Und heute gilt sie, zumal unter den Massen, als höchsterstrebenswertes Ziel: man drängt sich hinter den Ladentisch.
Mit dieser Umwertung wird man auch die sog. „Emancipationder Juden“ in Verbindung bringen dürfen. Die jüdische Race ist —ob von Natur ob durch den Gang der geschichtlichen Entwicklungbleibt sich gleich — nach einer Seite ihrer Veranlagung gleichsamdie Inkarnation kapitalistisch-kaufmännischen Geistes. Deshalb ver-achtet, so lange dieser nichts galt, geduldet und geschätzt, seit undwo er in Kurs gekommen ist. Was es für die innere Entwicklungdes Handels bedeutet, dafs er grofsenteils in jüdischen Händenliegt, werden wir später noch zu erörtern haben. Hier war nurzu registrieren, dafs die freie Zulassung der Juden zu bürgerlichenNahrungen abermals eine Stärkung der Vermehrungstendenz imHändler tum bedeutet.
2. Der Kapitalismus vermehrt aber auch das Menschen-material, aus dem die Händler, zumal die kleinen, sich rekrutierenkönnen. Er vernichtet das alte Handwerk und läfst den ehe-maligen Handwerker im sefshaften Detailhandel, in der Agentur etc.als Organ kapitalistischer Produzenten Unterschlupf finden: Bei-spiele dieserart haben wir viele in den letzten Kapiteln des erstenBandes kennen gelernt. Er hebt den Arbeitslohn einer oberenArbeiterschicht über das Minimum hinaus, das zur Bestreitung desnotwendigen Lebensunterhalts dient und ermöglicht kleine Erspar-nisse. Er vermehrt durch die Steigerung des Reichtums die Zahlderjenigen Personen, die den oberen Zehntausend zeitweilig zur Er-