390 Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
stufung der Qualitätsunterschiede einer einzelnen Ware, wie siethatsächlich die Gegenstände dieser Specialitätengeschäfte aufweisen,möglich werde. Denn offenbar ist der Hauptzweck solcher Läden,ihr eigenstes Produkt nun in schrankenloser Auswahl dem Publikumdarbieten zu können. Wir werden daher häufig einer Kreuzungvon Qualitätswaren- und Specialitätengeschäft begegnen, namentlichdort, wo es sich um eine Fortsetzung des urwüchsigen Differen-zierungsprozesses handelt, der, wie wir oben sahen, zum Branchen-geschäfte führt. So begegnen wir heute fast überall in den Strafsenunserer Grofsstädte beispielsweise hochqualifizierten Seidenhäusern,kunstgewerblich hervorragenden Glas- und Porzellangeschäften,Läden mit sehr feinen Eisenwaren u. dgl.
Aber die bei weitem wichtigste Tendenz in der Neuordnungder Waren ist die Tendenz zur
3. Kombinierung
verschiedener, ursprünglich getrennter Warengattungen. SolcherartZusammenfügung erfolgt abermals unter dem Gesichtspunkte derKulanz gegen das Publikum. Man will dem Käufer diejenigenWaren thunlichst in demselben Raume darbieten, nach denen ermöglicherweise bei Gelegenheit eines einzelnen Kaufakts sonst nochBedarf verspüren könnte.
So entstehen die drolligsten Kombinationen: hier verkauft einCigarrengeschäft Spazierstöcke, dort ein Blumenladen Cigarren; hiereine Fahrradhandlung Reiselektüre, dort ein Friseur pariser Gummi-artikel u. s. f. Das heifst: man gliedert irgend eine beliebigeWare an den ursprünglichen Warenbestand an, von der man vor-aussetzt, dafs sie vom Käufer nebenbei „mitgenommen“ wird. Mitder Zeit haben sich nun bestimmte Kombinationen herausgebildet,die einen bestimmten komplexen Bedarf zu befriedigen trachten.Es entwickeln sich aus den früheren Branchengeschäften traditionellausstaffierte Bedarfsartikelgeschäfte, wie wir diese neueSpecies von Warenlagern nennen können. So entsteht aus demalten Manufakturwarengeschäft entweder das Modewaren- undKonfektionsgeschäft oder bei noch weiterer Ausdehnung des Bedarfs-gebietes das Ausstattungsgeschäft; aus dem alten Eisenkram erwächstdas moderne Kücheneinrichtungs- und allgemein das Hausgeräte-geschäft 1 ; aus der Kolonialwarenhandlung geht das Delikatefswaren-geschäft hervor; die alte Sattlerwerkstatt wandelt sich in den
1 Vgl. darüber W. Borgius, a. a. 0.