Zweiuudzwanzigstes Kapitel. Die Bestrebungen zur Ausschaltung etc. 417
II. Die Organisationen letzter Konsumenten
zum Zwecke des gemeinsamen Bezugs von Genufsgütern zerfallenwiederum in zwei Kategorien, ie nachdem sie ihre Entstehung dereigenen Initiative der Konsumenten oder aber ihrer Brotherren, derUnternehmer, verdanken. Letztere sind
1. die Konsumanstalten industrieller Etablisse-ments, die mit zunehmender Kapitalkonzentration und dadurchhervorgerufener Zusammenballung von Arbeitermassen mit starkgleichförmigem Bedarf an Bedeutung gewinnen. Offenbar stecktin solcherart Anstalten noch eine mächtige Expansionsgewalt.Ihr Feld ist die reine Industriestadt, zumal die primäre Industrie-stadt, die alle socialen Beziehungen unter ihren Einwohnern erstmit ihrem Anwachsen selbst erzeugt. Die Entwicklung ist meisteine schrittweise. Es wird zunächst der Bedarf an den not-wendigsten Lebensmitteln durch gemeinsamen Bezug gedeckt;dann gliedert sich ein Artikel nach dem andern an, auf dieNahrungsmittel folgen gewerbliche Erzeugnisse, die dem Bekleidungs-und Wohnbedarf dienen, und vielfach macht sich die Tendenz be-merkbar, den Kreis der genossenschaftlichen Bedarfsdeckung da-■O durch zu schliefsen, dafs man die Bedarfsgegenstände in eigener
Regie hersteilen läfst. Leider fehlen uns auch hier wieder dieZiffern, um eine zahlenmäfsige Vorstellung von dem Umfange derKonsumanstalten industrieller Etablissements zu geben. Was anMaterial im einzelnen vorlag, findet sich in dankenswerter Weisezusammengestellt in dem freilich schon wieder veralteten Werkevon Post und Albrecht über Musterstätten persönlicher Fürsorge 1 .
Welcher Entwicklung in besonders dafür geeigneten Fällen der-artige Anstalten fähig sind, zeigt die Organisation der Konsum-anstalt von Friedrich Krupp in Essen a. Rh. Zu' diesergehören (1896) 73 Verkaufsstellen, davon 51 in Essen und den um.liegenden Kolonien, 22 bei verschiedenen Krupps’chen Hütten- undBergwerken, für Kolonial-, Manufaktur-, Kurz-, Schuh- und Eisen-waren, Hausgeräte, Fleisch, Brot, Kartoffeln, Kohlen, Stroh u. s. w.;ferner: 2 Schlächtereien, 1 Mühle, 2 Bäckereien, 1 Eisfabrik,1 Dütenfabrik, 2 Schneiderwerkstätten, 1 Schuhmacherwerkstatt,1 Hotel, 1 Kasino, 7 Restaurationen, 2 Kaffeeschenken, 1 Plätt-
1 Jul. Post und H. Albrecht, Musterstätten persönlicher Fürsorge vonArbeitgebern für ihre Geschäftsangehörigen. Bd. II. Die erwachsenen Arbeiter.1893. S. 381 ff.
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