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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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478 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

feinere Hölzer u. s. w.), die zunehmende Verwendung gewerblicherRohstoffe überhaupt und dergl. mehr. So dafs unsere gewerblichenProduzenten, die früher überwiegend ihren Bedarf an Rohstoffenaus der näheren oder weiteren Umgegend des Produktionsortesdecken konnten, mit dem Bezug ihrer Rohstoffe aus entferntenGegenden des östlichen Europas oder überseeischen Ländern alsmit einer unabänderlichen Thatsache fast in allen Branchen rechnenmüssen. Die folgenden Angaben werden das bestätigen.

Unter den gröfseren Holz verarbeitenden Gewerbensind von der gekennzeichneten Entwicklung in letzter Zeit besondersbetroffen die Tischlerei und die Böttcherei, die heute in wachsendemUmfange auf die Verarbeitung schwedischer, russischer, ungarischeroder überseeischer Feinhölzer angewiesen sind 1 . Aber auch dieStellmacher ei, die Wagenbauerei, die Bürstenfabrikation e tutti quantikonsumieren heute schon mehr aufserdeutsches als deutsches Holz.Diese Entwicklung wird von der Statistik des Holzhandels wider-gespiegelt. Stieg doch der Wert der Einfuhr von Bau- und Nutz-holz, roh, bezw. in Balken- oder Bretterform nach Deutschland vonschon 76 Millionen Mark im Jahre 1880 auf 274 Millionen Markim Jahre 1899. Mit letzterer Ziffer hat nach meiner Rechnung 2 derWert des in Deutschland verbrauchten ausländischen Holzes den-jenigen des aus dem Inlande stammenden überflügelt.

1 Ygl. die zahlreichen Belege in U. Index s. v.Rohstoffbezug 11 undaufserdem die früher citierte Speciallitteratur.

2 Der Rechnung liegen folgende Ziffern zu Grunde: Die Ausfuhr an Holzbetrug im Jahre 1899 nicht ganz 20 Mill. Mk.; wir können sie zur Hälfte denausländischen, zur Hälfte den inländischen Hölzern zurechnen. Für den Ver-brauch an letzteren besitzen wir keine direkten Zifferangaben; wir müssen ihndaher auf Umwegen zu ermitteln versuchen und zwar etwa wie folgt: diepreußischen Staatsforsten verkauften (1892/93; jedoch ist der Betrag ziemlichkonstant, die Gesamtmenge an produziertem Holz nimmt eher ab als zu, wennman die Abnahme des Bestands an Privatwaldungen in Betracht zieht) fürinsgesamt 64,1 Mill. Mk. Holz (Handbuch, Bd. III, 1898); davon ziehe ich14,1 Mill. Mk. für Stock- und Reisigholz ab (das von 9,4 Mill. Festmeter 2,1ausmachte), bleiben rund 50 Mill. Mk.; die Staatsforsten machen in Preußen 30,0 % der Gesamtwaldfläche aus; es ist daher gewiß hoch gerechnet, wennwir den Wert des in Preußen produzierten Holzes auf 150 Mill. Mk. ver-anschlagen. Preußens Waldbestand wird auf 8,2 Mill. ha beziffert. (Vergl.Stat. Jahrb. 17, 16.) Derjenige ganz Deutschlands auf 13,8 Mill. ha. Preußens Ertrag also im gleichen Verhältnis auf ganz Deutschland verteilt, würdefür dieses einen Holzertragswert von ca. 250 Mill. Mk. ergeben. DerWertertrag der Holzeinfuhr nach Deutschland im Jahre 1900 ist geringer alsder des Vorjahrs (224 Mill. Mk.). Dies hat jedoch seinen Grund wesentlich indem starken Preisrückgang. Die Einfuhrmengen sind wieder gestiegen.