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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Dreifsigstes Kapitel.

Der Kampf um die Arbeitskraft.

Gehört es im allgemeinen zu den Wesenheiten kapitalistischerEntwicklung, durch einen kunstvoll wirkenden Mechanismus denArbeitsmarkt meistens zu Gunsten der Nachfrage zu gestalten, so istes eine Eigenart der modernen Phase des Kapitalismus, das Mifs-verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarktezu Ungunsten der ersteren in einer Anzahl von Punkten nichtunwesentlich vergröfsert zu haben.

Wir wissen, dafs es in aller frühkapitalistischen Zeit vor-nehmlich das platte Land ist, das eine für gewerbliche Arbeitdisponible Uberschufsbevölkerung liefert; wir sahen, wie eingrofser Teil der altkapitalistischen Industrien sich deshalb alsländliche Hausindustrie etabliert hat. Dieses Reservoir ist nunheute keineswegs schon erschöpft. Täglich wächst noch ausGründen, die wir ebenfalls kennen gelernt haben, eine neue länd-liche Uberschufsbevölkerung heran, sei sie primärer Natur, d. h.entstanden durch die in vielen Gegenden noch immer vorhandeneRepulsionstendenz der Landwirtschaft, durch das Verschwinden desbäuerlichen Hausgewerbes, durch den Niedergang der alten boden-ständigen Hausierhandwerke; sei sie sekundärer Natur, d. h. ent-standen durch den Rückgang der alten frühkapitalistischen Haus-industrien.

In der That hören wir denn auch aus verschiedenen, namentlichbäuerlichen Gegenden die Berichte von einer ländlichen Uberschufs-bevölkerung in der Gegenwart erzählen, die aus gewerblicher ArbeitNebenverdienst sich zu verschaffen bemüht ist. So aus Unterfranken, aus der weiteren Umgebung von Stuttgart und vom Regierungs-bezirk Minden aus den Kreisen Bielefeld, Herford, Minden und