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Erster Abschnitt: Die treibenden Kräfte
ß) ein unerschütterlicher Optimismus;
y) ein Pflichtbewußtsein, soweit dieses sich nicht — was der häufigereFall sein wird — ergibt aus
b) der Herausbildung eines besonderen, modern bürgerlich-kapitalistischen Pflichtbegriffs. Einen solchen gibt es in der Tat.Er ist ursprünglich wohl religiös untermauert gewesen (hier besteht inder Tat ein Zusammenhang zwischen moderner Berufsethik und Be-währungsglauben), ruht aber seit langem auf einer aus Parvenü-Ressenti-ment und Gewissensbeschwichtigungsbestreben gebildeten Grundlage.Diese besteht in einer Betonung der Leistungswerte, einer Überschätzungder Arbeit als solcher und ihrer Anerkennung als einziger Quelle irdischenWohlergehens. Verdienst gilt nur insoweit als Verdienst, als es auf harterArbeit aufgebaut ist.
„Arbeit ist des Bürgers ZierdeSegen ist der Mühe Preis“.
Es ist ein durchaus europäisch-amerikanisches, genauer nordischesIdeal, das in dieser Pflichtenlehre verkündet wird, und das stimmt über-ein mit der von uns bereits gewürdigten Tatsache, daß der moderneKapitalismus seine Wurzeln in den nordischen Rassen hat, die auch demVerbürgerlichungsprozesse sich am ehesten zugänglich erwiesen haben.
c) Nun wird aber das Handeln des modernen Wirtschaftsmenschenin ganz unkantischer Weise keineswegs nur durch das Pflichtbewußtseinbewegt, sondern — so seltsam es klingt — doch auch durch die Liebe.Freilich einer eigentümlichen Abart der Liebe, nämlich der Liebe zuseinem Geschäft. Psychologisch werden wir uns diese Pervertierungder geistigen Haltungen damit erklären müssen, daß in der Seele desUnternehmers infolge eines Übermaßes von Arbeit und insonderheitvon Beschäftigung mit geschäftlichen Dingen, die ihm für nichts anderesZeit läßt, alle übrigen Seiten verkümmern, daß Natur, Kunst, Literatur,Staat, Freunde, Familie keine Reize mehr auszuüben vermögen, daß erinfolgedessen von einem unerträglichen Gefühl der Leere und Öde er-griffen wird, sobald er aus der schützenden, wärmenden, belebendenWelt der Zahlen heraustritt. In dieser Welt der Geschäfte hingegenfindet er alles, was ihn erfrischt, ermuntert, beglückt; er empfindet sieals seine wahre Heimat, als den Jungbrunnen, aus dem er neue Kräfteschöpft, als die Quelle, die denVerdurstenden neu belebt. Kein Wunder,daß er dieser Welt schließlich auch seine Liebe widmet. Und kein Zweifel,daß durch diesen Prozeß, der sich in dem modernen Wirtschaftsmenschenabspielt, dem Wirtschaftsleben eine Fülle von Lebensenergie zugeführt