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Erster Abschnitt: Die treibenden Kräfte
Es herrschen in dieser Welt der Zahlen Notwendigkeit, Einförmig-keit, Einheitlichkeit. Vgl. wiederum das 36. Kapitel.
Und doch! Es wäre ein unverzeihlicher Irrtum, wollte man annehmen,daß in dieser mechanisierten Welt die Bedeutung der menschlichenPersönlichkeit herabgesetzt wäre. Das genaue Gegenteil ist der Fall:die Bedeutung der Einzelperson, freilich der überragenden, ist heute imWirtschaftsleben größer denn je. Und eine einfache Be sinn ung machtdas einleuchtend.
Zwar muß notwendig etwas gewollt und getan werden, aber darumbleibt doch die schlichte Tatsache bestehen: daß überhaupt etwas ge-wollt und getan werden muß. Wenn ich vorhin mich des Vergleichesdes modernen ökonomischen Rationalismus mit einem Uhrwerk be-diente, so mag hier der Vergleich fortgesetzt werden: es muß jemandda sein, der das Uhrwerk aufzieht. Oder in einem andern Vergleich: diekapitalistische Unternehmung als Ganzes wird eine immer größere,immer kompliziertere Maschine. Aber es ist auch — wie bei jederMaschine — ein Mann nötig, der sie bedient, und der muß um so in-telligenter sein, je komplizierter die Maschine ist. Analog zum Wirt-schaftsleben ist die Entwicklung des Staats- und Kriegswesens ver-laufen: auch hier ein ungeheurer mechanisierter Apparat und dochdie Unentbehrlichkeit der führenden Persönlichkeit!
Nur freilich ist die Kräfteverteilung heute eine andere wie früher:an Stelle zahlreicher kleiner Kraftspender ist eine große Kraftzentralegetreten — wenigstens in den großen Wirtschaftseinheiten —: das istder Kopf des leitenden Unternehmers.
Diesem Gedanken gibt einer der erfolgreichsten Unternehmer derneueren Zeit, dessen Unternehmen zu den mechanisiertesten auf der Erdegehört und das doch bis in die kleinste Einzelheit hinein das Werk seinesSchöpfers und Leiters ist, Henry Ford , in folgenden Worten Ausdruck:„Das moderne' System braucht zu seiner Durchführung eine höhere In-telligenz als das alte. Die Intelligenzansprüche sind heute höher denn je,wenn sie vielleicht auch an andrer Stelle gestellt werden. Es ist mit derIntelligenz genau wie mit der Betriebskraft: früher wurde jede Maschinedurch Menschenkraft betrieben; die Kraftzentrale stand unmittelbar ander Maschine. Heute aber haben wir sie nach hinten, nach der Kraftanlage,verlegt und sie dort konzentriert. Ebenso erübrigt es sich heute, daß diehöchste Form menschlicher Intelligenz unmittelbar bei jeder Funktion inder Fabrik beteiligt ist. Ihr höchster Typ ist in der geistigen Betriebsanlagekonzentriert.“ Und das ist eben der Unternehmer. Mein Leben und Werk,Seite 327.