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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Dritter Abschnitt: Die Technik

a) das organische: Arbeitenlassen der Natur: Land- und Forst-wirtschaft;

b) das chemische: künstliche Veränderung der inneren Zu-sammensetzung der Stoffe;

c) das mechanische: künstliche Veränderung der äußerenForm der Stoffe.

Die zweite und dritte Art (b und c) sind häufig gemischt: Eisen-erzeugung !

In der Gestaltung des Verfahrens beobachten wir in derheutigen Zeit folgende Tendenzen: Während das organische Verfahrengrundsätzlich unverändert bleibt, weisen das chemische und dasmechanische Verfahren ebenfalls eine Tendenz auf zur Emanzipationvon den Schranken der lebendigen Natur. Diese Tendenz machtsich bemerkbar einerseits in der Verwendung anorganischer Stoffeund Kräfte (siehe oben unter I), die begreiflicherweise die Naturauch des Verfahrens bestimmen und erst im Verfahren in ihrerpraktischen Verwendbarkeit erkannt werden; andrerseits in der Ent-waltung vom menschlichen Organismus durch Ausschaltungder menschlichen Mitwirkung.

Das soll nun im ei n zelnen sowohl für das chemische wie für dasmechanische Verfahren nachgewiesen werden.

2. Das chemische Verfahren

weist im einzelnen vornehmlich folgende Tendenzen in der modernenZeit auf:

1. die Tendenz zur Autonomisierung. Darunter ver-stehe ich das Bestreben der chemischen Industrie, sich von der Bei-mischung mechanischer Bestandteile bei ihrem Verfahren zubefreien. Wir beobachten also eine Entmechanisierung des chemischenVerfahrens, sein Vordringen auf Kosten des mechanischen: die Rüben-zuckergewinnung, bei der man das Preßverfahren durch das Diffusions-verfahren (1865) ersetzt; diePapierbereitung,bei der man immer mehr dasZelluloseverfahren (1873) statt desHolzschliffverfahrens(1843) verwendet.

2. die Tendenz zur Anorganisierung. Darunter ver-stehe ich die Befreiung des chemischen Prozesses von der Beimischungorganischer Bestandteile. Diese Entwaltung kann bestehen:

a) in der Ausschaltung der organischen Hilfsstoffe. Hauptfall:Ersatz des Holzes durch Kohle beim Erschmelzungsprozeß;

b) in der Ausschaltung der menschlichen Mitwirkung: als Folgedes wissenschaftlichen Verfahrens (siehe das vorige Kapitel). Also: