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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Dritter Abschnitt: Die Technik

1. der Sicherung des Wissens infolge seiner Objektivierung:der Tod einer Person kann nicht mehr, wie es in den Zeiten <ler em-pirischen Technik häufig der Pall war, ein Wissen zum Verschwindenbringen. Dieses ist mit seinem Erscheinen ein fester Besitz der Mensch-heit und sammelt sich also von Jahr zu Jahr, von Generation zu Gene-ration ohne jeden Verlust auf. Die andre Tatsache, die die Ausweitungunsres technischen Wissens begründet, ist

2. Die Verallgemeinerung des Wissens, die ebenfalls eine Folgeder Objektivierung und der damit gegebenen leichteren Übertragbar-keit ist. Dazu kommt dann

3. die rasche V ermehrung des technischen Wissens durcheine reiche und fruchtbare Erfindertätigkeit, von der ich dem Lesereine Vorstellung zu geben versucht habe. Ich füge hier nur noch einigeAngaben hinzu, aus denen die Ausweitung der Erfindertätigkeit ziffern-mäßig ersichtlich ist, obwohl die Zahlen kein genaues Bild von derenUmfang zu geben vermögen und eigentlich nur einen symptomatischenWert haben.

Nach L. Darmstaedter und R. du Bois-Reymond beträgt dieZahl der Erfinder, das heißt derjenigen, die die beiden Verfasser in ihremWerke: 4000 Jahre Pionierarbeit, verzeichnet haben:'

17001750 . 170 18001850 . 861

17501800 . 344 18501900 . 1150

Diese Ziffern sind zum Teil Zufallsziffern, da sie von der subjektivenKenntnis der Verfasser bestimmt wurden, und es könnte geltend gemachtwerden, daß die Feststeilbarkeit eines Erfinders und einer Erfindung mitder Zeit immer größer wird, so daß von einer gleichen Zahl immer mehrbekannt werden, je weiter die Geschichte fortschreitet. Das würde die Be-deutung der Steigerung der Ziffern einschränken. Aber dieser Umstandwird ausgeglichen, und sicher um ein Vielfaches ausgeglichen, durch denandern, viel wichtigeren Umstand, daß gerade in unserer Zeit der Umfangdes technischen Wissens gar nicht so sehr durch diegroßen Erfindungenbestimmt wird, die vielleicht verhältnismäßig seltener werden, als viel-mehr durch die ungezählten und immerfort sich vermehrenden kleinenAlltagserfindungen. So daß jene Ziffern nur ein verhältnismäßig kleinesMinimum der tatsächlichen Ausdehnung der Erfindertätigkeit in unsererZeit ausdrücken würden.

Die Richtigkeit dieser Erwägungen findet eine Bestätigung durch dieStatistik der Patentverleihungen, die denn doch ganz andereZiffern aufweist und noch im letzten Menschenalter eine rasche Steigerungder Erfindertätigkeit erkennen läßt.

Im Jahre 1878 betrug die Zahl der Patentanmeldungen beim deutschenPatentamt 5949, während 4200 Patente erteilt wurden und am Jahres-schlüsse in Kraft geblieben waren 4227. Die Zahl der Anmeldungen steigt