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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Vierzehntes Kapitel: Der Kredit und seine Entwicklung

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kommens entspricht. Vorausgesetzt, daß sich die Preise der gesteigertenProduktivität noch nicht angepaßt haben und also eine Erhöhung desReallohnes in einem der gestiegenen Produktivität entsprechendenUmfange noch nicht stattgefunden hat. Alsdann bleiben Einkommens-beträge frei, die zur Vermehrung des Kapitals Verwendung findenkönnen. Sie zusammen mit der Höhe des Anweisungskredits bestimmendas Ausmaß der tatsächlich möglichen Kapitalakkumulation.

Ich sagte vorhin, daß der Begriff der Kreditschöpfung bisher unklargeblieben sei. Wir vermögen jetzt einzusehen, worin die Unklarheitihren Grund hat. Offenbar nämlich in der Vermengung privatwirtschaft-licher und samtwirtschaftlicher Gesichtspunkte. Behauptungen, wiewir sie bei Schumpeter und Hahn finden, daß sieben Achtel allerBankkrediteschöpferischer Kredit seien, sind nur verständlich,wenn wir berücksichtigen, daß diese Autoren als schöpferischen Kreditauch jenen bezeichnen, der über die Aktiva des Kreditgebers oderKreditnehmers hinausgeht und nicht scharf genug davon den echtenschöpferischen Kredit unterscheiden, den ich als Anweisungskreditbezeichnet habe und dessen Eigenart, wie wir nun erkannt haben,darin besteht, daß er eine Kaufkraft über die jeweilig zur Verfügungstehende oder richtiger: in Tätigkeit befindliche gesellschaftlicheArbeitskraft darstellt.

3. Grenzen des Kredits

Den interessantesten Teil des Kreditproblems enthält die Eragenach den Grenzen des Kredits; die Frage also: wieweit der Kredit aus-gedehnt werden kann, ohne daß das Wirtschaftsgefüge in Unordnunggerät.

Man hat gesagt (Hahn), daß allein das subjektive Ermessen desKreditgebers (in Gestalt des Bankiers) über die Höhe des Kredits zuentscheiden habe. Soll damit gesagt sein (was ich bei einem so urteils-fähigen Schriftsteller, wie dem Genannten, nicht annehme), daß denEntscheid über die Ausdehnung des Kredits die an keine objektivenBedingungen gebundene Willkür des Kreditgebers treffe, so enthältder Satz natürlich schieren Unsinn. Soll aber damit ausgedrückt werden,daß der die objektiven Bedingungen richtig beurteilende Entschlußdes Kreditgebers maßgebend sei, das heißt also: daß die objektivrichtige Entscheidung des Bankiers dem Kredit die zulässigen Grenzensteckt, so mag er gelten. Dann aber ist unsere Frage noch nicht sachlichbeantwortet. Die Antwort ist nur hinausgeschoben; denn es hat sich

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