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Erster Abschnitt: Das Kapital
Hier müssen wir versuchen, erst wieder den Gründen auf die Spurzu kommen, die die rasche und bedeutende Entwicklung des Depositen-bankwesens bewirkt haben. Das heißt also, müssen festzustellen ver-suchen, worin die Zunahme der Depositen während des 19. Jahr-hunderts gründet. Es ist das gleichsam die innere Geschichte dieserBanken, da uns ihr organisatorischer Aufbau hier noch nicht inter-essiert.
Die Depositen — und ich spreche einstweilen von sog. echten De-positen, also Einlagen, Einzahlungen, Überlassung von irgendwelchenAnrechten auf Wertbezüge seitens der Deponenten, die ausgesprochenGläubiger der Bank werden wegen der Hingabe eines reellen Wertes —die Depositen, sage ich, haben sich während der letzten Menschenalterdeshalb so stark vermehrt, weil alle drei Bestandteile, die sie bilden,eine Vergrößerung erfahren haben, nämlich:
(1.) die Einkommensbeträge. Diese erfahren eine Ausweitung:
a) wegen der Zunahme der Sparbeträge, worüber oben das Nötigegesagt ist;
b) wegen der Gewöhnung des Publikums und namentlich der Be-hörden an die Banküberweisung: Gehälter! Steuern! Rechnungen!
c) wegen der Ausbreitung der Aktiengesellschaften, die genötigtsind, ihre Dividende ein Jahr lang aufzuspeichern.
Ferner vermehren sich
(2.) die den Banken als Depositen zufließenden Kapitalbeträgewegen der Verlängerung der Umschlagsperioden des fixen Kapitals.Diejenigen Beträge, die zur Wiederergänzung (Entwertung, Amor-tisation) eines festen Kapitalteils dienen, müssen aus dem Jahres-erträgnis genommen und so lange verwahrt werden, bis der festeKapitalteil abgenutzt ist und erneuert werden muß. Während dieserWartezeit werden sich die abgeschriebenen Beträge nur zum kleinenTeil in der Geldform aufhalten: die Regel ist, daß sie als be-fristete Depots, als Ultimo-Geld usw. den Banken überlassen werden,deren Depositen sie also zu vermehren bestimmt sind (soweit sie nichtin leicht realisierbare Wertpapiere, die sog. stillen Reserven, ver-wandelt werden).
Einen sehr beträchtlichen Anteil an der Ausweitung der Depositen hat
(3.) der Rentenfonds, das „fiktive“, „negative“ Kapital. Dieser ver-größert sich und erscheint in Depositenform:
a) wegen der zunehmenden Mobilisierung unseres materiellen Da-seins: Wechsel der Vermögensanlage;