Siebzehntes Kapitel: Die Entfaltung der Produktion
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zu erweisen. Das ist die Zunahme der in ihr zur Verwendung kommendenmechanischen Kräfte.
Es ist leicht, mit Hilfe der Statistik festzustellen, daß die Zahl derPferdestärken sich im Laufe namentlich der letzten Jahrzehnte vermehrthabe: siehe die Ziffern im 52. Kapitel.
Ein Beweis für die Steigerung der Leistungsfähigkeit, insonderheitder Arbeitsproduktivität? Keineswegs. Da wiederum unbekannt bleibtdas Verhältnis zwischen dem Arbeitsaufwand, der zur Herstellung einerPferdestärke gemacht werden mußte, und demjenigen, den sie erspart.Es ist wahrscheinlich, daß dieser Betrag größer ist als jener. Aberdie Statistik der Dampfmaschinen weiß darüber nichts zu berichten.
Dasselbe gilt endlich für eine dritte Art der Schlußfolgerung auseiner Allgemeinbetrachtung des sachlichen Produktionsherganges, dieich noch erwähnen will: die Verwertung der Abkürzung desProduktionsprozesses als Beweis für die Steigerimg derProduktivität. Wenn wir erfahren, daß
das Frischen 3 Wochen,das Puddeln 1—2 Tage,das Bessemern 20 Minuten
dauert, so sind wir in bezug auf die von uns aufgeworfene Frage umnichts klüger, da die Anlagen in den drei Fällen ganz verschieden großsind. Nicht einmal über die Umschlagsdauer des Kapitals sagen jeneZiffern etwas aus. Wahrscheinlich war sie beim Frischen sehr er-heblich — kürzer als beim Bessemern. Aber ziffernmäßig ist es nichtfeststellbar.
So ist man darauf verfallen, die Preisgestaltung heranzuziehen,um den Grad der Leistungsfähigkeit, insbesondere wiederum den Grad derArbeitsproduktivität zu bestimmen: Sinkende Preise sollten oder sollenauf eine entsprechende Erhöhung der Arbeitsproduktivität schließenlassen. Nichts verkehrter als dieser Schluß. Natürlich ist es wiederummöglich, ja in vielen Fällen sehr wahrscheinlich, daß sich in der Ent-wicklung der Preise die Entwicklung der Produktivität widerspiegelt.
So ist es wohl möglich, daß in den Hamburger Preisnotierungen für StahlundEisen- oder Stahlwaren, wonach der Doppelzentner inReichsmark kostete:Stahl Nägel Eisendraht Schienen
1851/55 . . . 60,58 40,17 35,19 16,48
1901/05 . . . 40,97 34,20 24,05 15,53
die Tatsache zum Ausdruck kommt: Steigerung der Produktivität beiStahl, Nägeln, Eisendraht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um33%—50%, so gut wie keine bei Schienen.