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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Erster Abschnitt: Das Kapital

Sachverständigen erbracht und meist als endgültig angesehen worden.Der allmähliche Einschluß von Weideland hat die Erhaltung eines größerenViehbestandes erschwert und die Menge verfügbaren Kuhdungs vermindert.Selbst dieser wird nicht allein zu Düngungszwecken verwandt, denn derMangel an Feuerungsmaterial macht es notwendig, ihn in Feuerung zuverwandeln. Der große Verlust, den der indische Ackerbau dadurch er-leidet, ist ausführlich vonLupton in seinem Buche,Happy Indiabehandeltworden. Siehe Zakir Husain , Landwirtschaft und Agrarverfassung inBritisch-Indien. Berliner Inaugural-Diss. 1926.

Von Neu-Seeland erfahren wir:The manure bills, which is such a heavyitem of annual expenditure with the British farmer, presses as yet verylightly on the farmers of the colony. The New Zealand Official Year-Bookl906, pag. 600. Damals begann die Düngung. Ebenda. Die Frucht-barkeit des Landes ist so groß, daß man ohne Ersatz aus dem Vorratschöpfen kann, ohne einstweilen! das Land auszusaugen:So fullis the soil of plant-food, that several crops of potatoes or cereals may betaken with little apparent (!) exhaustion. A. a. 0. S. 590.

In ganz Australien war die landwirtschaftliche Produktion bis ins20. Jahrhundert hinein nochRaubbau an jungfräulichem Boden. Victoria,das in Australien die intensivste Bodenkultur zeigt, hatte 1898 erst auf7318 Besitzungen mit 225830 Acres Düngung. Im folgenden Jahrzehntwird Düngung üblich: 1907 waren 2 Millionen acres von etwa 2% Millionenacres angebauten Landes gedüngt. Westaustralien düngte 1906/07 73,86%seiner unter Anbau stehenden Fläche. Rob. Schachner, Australasien(1909), S. 282. Aber auch hier setzt die Ersatzwirtschaft erst mit dem Be-ginn des 20. Jahrhunderts ein, als sich infolgedessen die Agrarprodukten-preise schon zu heben begannen.

Bekannt ist die Mißwirtschaft, die im zaristischen Rußland beim Boden-anbau herrschte:Gedüngt wird nicht (in der Bauernwirtschaft) oder inäußerst seltenen Ausnahmefällen. Folge ist bei der oberflächlichen Pflügungdie Erschöpfung der Bauernäcker . ..Düngung fanden wir in der vonuns besuchten Kolonie (deutscher Ansiedler) so wenig in Anwendung wiebei den russischen Bauern. Von der Ukraine: In den meisten Fällen . . .(bebaut der Bauer) alljährlich unausgesetzt und ohne Düngung das ge-samte Areal des Dorfes mit Getreide . . . Nach der Statistik der Landschaftbebauen von 270 Gutsbauerngemeinden 145 ununterbrochen das Acker-feld in der angegebenen Weise. . . Folge der bezeichneten Wirtschafts-weise ist eine zunehmende Erschöpfung . . . des Bauernlandes.G. v. Schulze-Gaevernitz, Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland(1899), S. 417, 422, 433, 434 u. ö. Vgl. J. S. Bloch, Meliorationskredit undder Stand der Landwirtschaft in Rußland, ( russ.) Auszüge bei Mertens,a. a. O. S. 41, 459 f. sowie die Ergebnisse der amtlichen Enqueten, die inden 1880 er und 1890 er Jahren für das Gouvernement Ssamara, daswichtigste Getreidegebiet des Wolgabeckens, veranstaltet worden sind:unter Sommergetreide wird überhaupt nicht gedüngt; das gedüngteLand bildet bei den Gutsbesitzern 0,4 %, bei den Bauern 0,7% desgesamten Ackerlands.Alle bäuerlichen Ackerfelder werden von der