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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

Im Königreich Bayern hatte die landwirtschaftliche Bevölkerung ihrenAnteil an der Gesamtbevölkerung von 1840 bis 1852 noch von 657 auf 679von 1000 Seelen gesteigert. F. B. W. Hermann, Uber die Gliederungder Bevölkerung des Königreichs Bayern (1855), 13 ff., 21 ff. 5*1

Ziehen wir aber die zeitgenössische Literatur zu Rate, so töntuns aus jeder Seite die Klage entgegen: es sind zu viel Menschen aufdem Lande da, die Arbeitsgelegenheit fehlt, die Zahl der Arbeitslosenund Elenden namentlich auf dem flachen Lande und in den kleinen Städtenwächst. Ich teile ein paar solcher Äußerungen mit:

Mark Brandenburg:Eine dritte Ursache sc. der Not und Armutauf dem Lande, deren beide ersten Ursachen (!) der Verfasser in derNiedrigkeit des Arbeitslohns und der Länge der Arbeitszeit erblicktfinden wir an einzelnen Orten und in manchen Gegenden in dem Mangelan fortdauernder Arbeit und zwar entweder zufolge einer Überzahl vonArbeitern oder ungünstiger Konjunktur. K. F. Schnell, Vorschläge(1849), S. 34. Der Landesökonomierat Koppe aber, der die Schrift, derobige Stelle entnommen ist, einleitet, warnt ausdrücklich vor einer Lohn-erhöhung; denn, meint er,eine Erhöhung des Tagelohns würde einensolchen Andrang der Arbeiter zur Folge gehabt haben, daß ich sehr vielehätte abweisen müssen.

Schlesien: Die große Zahl der Arbeitsuchenden hat natürlich zurFolge, daß der tägliche Lohn gedrückt wird . . . Würde wohl der Dieb-stahl in den Städten und auf dem Lande in den letzten zehn Jahren soüberhandgenommen haben, wenn die Tagearbeiter stets Arbeit und höherenLohn gehabt hätten? C. Fr. Frenzei, Praktische Ratschläge usw.(1849), 4.Zurzeit bietet die Gesetzgebung noch kein Mittel dar, wo-durch ihrer (sc. der Einlieger) reißenden Vermehrung Einhalt getan werdenkönnte. Einige Betrachtungen über die Einwohnerklasse der Einliegerin denökonomischen Mitteilungen aus Schlesien, herausgegeben vonGr. Hoverden und Pastor Schulz. V. Jahrg. (1843), S. 74.

Ostpreußen hat ausführlich Neumann in seiner bereits genanntenStudie über die Lohngesetze behandelt; es genügt, auf die dortigen An-gaben zu verweisen.

Thüringen: Die stets wachsende Bevölkerung vermehrt die Zahl derKonsumenten; die vielen müßigen Hände . . . drücken die Arbeitslöhneherab . . . Etwas weniger . . . fühlen die Städte diese . . . Verhältnisse . . .und doch wimmelt es von müßigen Händen. Gesellschaftsspiegel II(1847), 33, 34. Von den Ortschaften des Eisenacher Oberlandes erfahrenwir, daß siesämtlich ein zahlreiches Proletariat enthalten und Mangelan Arbeitsgelegenheit leiden. Zuschrift der Großherz. S. Bezirksdirektionin Dermbach vom 11. Oktober 1855. Zitiert bei Em. Sax, Die Haus-industrie in Thüringen 2 (1884), 73.

Oldenburg :Es ist buchstäblich wahr, daß das Münsterland eine der-artige Bevölkerung 93 Einwohner auf den Quadratkilometer nichtzu ernähren vermochte. P. Kollmann, Die Heuerleute im Oldenburgi-schen Münsterlande (Jahrb. f. Nat.Ök. III. F. Bd. XVI. S. 192, 193).

Holstein: Eine Schrift des Freiherrn von Berg, in der er die Steigerung